Fehlende Perspektive für Langzeitarbeitslose

Mit konkreten Maßnahmen wird das Problem bekämpft.
Dornbirn Stefan Bose (52) ist ein Betroffener von Langzeitarbeitslosigkeit. Er erzählt, dass er im Jahr 2007 aus Düsseldorf nach Bregenz gezogen ist. Er hat keinen Schulabschluss, fand aber Arbeit bei einer Tankstelle, bis er aus unverschuldeten Gründen gekündigt wurde. „Ich war dann 1,5 Jahre arbeitslos, das war eine harte Zeit. Das Alter war ein erheblicher Grund, warum ich keine Anstellung mehr fand. Sie haben immer Jüngere eingestellt, weil die billiger sind.“ Bei dem Projekt von Kaplan Bonetti erhält Bose einen einjährigen Arbeitsvertrag. Am Tag vor dem 1. Mai findet traditionellerweise der Tag der Arbeitslosen statt. Rund 13.000 Menschen sind in Vorarlberg derzeit ohne Job. Das ist eine erhebliche Steigerung, im Jahr 2019 waren es im Durchschnitt 9500 Arbeitslose. Etwa ein Viertel davon sind Langzeitarbeitslose: als solche gelten Menschen, die seit über zwölf Monaten beschäftigungslos sind.
Weit über Vorkrisenniveau
Bernhard Bereuter, Landesgeschäftsführer AMS, führt dazu aus: „Die Quote liegt noch immer deutlich über dem Vorkrisenniveau. Wir gehen davon aus, dass die Entwicklung anhalten und die Zahl noch steigen wird. Wir müssen uns überlegen, wie wir langfristig geförderte Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen können. Es werden nicht mehr alle Personen am Arbeitsmarkt Platz finden können.“ Der Verband arbeit plus, ein Zusammenschluss mehrerer sozialer Unternehmen in Vorarlberg macht auf dieses Problem aufmerksam. Die Geschäftsführerin Benedicte Hämmerle erklärt: „Bis dato waren vor allem Ältere, Niedrigqualifizierte und Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen betroffen. Neu ist, dass es eine hohe Zuwachsrate bei den 25- bis 44-Jährigen gibt. Und es sind mittlerweile alle Branchen betroffen.“ In dieselbe Kerbe schlägt auch Philipp Kloimstein, ärztlicher Leiter der Stiftung Maria Ebene: „Die Pandemie hat viele Perspektiven genommen, wenn man auch den Job verliert, hat man noch weniger. Wir haben derzeit sehr viele Menschen aus der Gastronomie in Behandlung, ihnen wurde der Boden unter den Füßen weggezogen.“ Vor wenigen Tagen wurde die Aktion „Sprungbrett“ von der Bundesregierung vorgestellt: damit sollen bis Ende 2022 österreichweit 50.000 Arbeitslose wieder zurück in die Beschäftigung gelangen, Minister Martin Kocher hält diese Zahlen für realistisch. Auf Nachfrage bei Bereuter, sind diese Zahlen nur realisierbar, wenn es konkrete Ansätze gibt, diese müssen noch erarbeitet werden. In Vorarlberg wurde bereits die Lohnkostenförderung erhöht. VN-SUB