So bremste Corona Vorarlbergs Exporte

Corona-Pandemie bremst Vorarlberger Export: 8,4 Prozent weniger Ausfuhren im ersten Halbjahr 2020.
Feldkirch, Bregenz Eigentlich hatte man sich das ganz anders vorgestellt. Jahrelang stiegen die Exporte der Vorarlberger Firmen in immer neue Höhen. Anfang 2020 deutete nicht viel darauf hin, dass sich das ändern sollte, obschon sich in verschiedenen Branchen, z. B. bei den Automobiliezulieferern und der Maschinenindustrie, ein Rückgang am globalen Markt angekündigt hat. Doch dann kam Corona und wie sich das auf die Wirtschaft insgesamt auswirkte, ist hinlänglich bekannt. Lieferketten brachen zusammen, die Produktion wurde in fast allen Bereichen heruntergefahren, Aufträge wurden stormiert. Die Zahl der Kurzarbeitenden erreichte Rekordwerte, die Arbeitslosigkeit stieg und steigt nach einer Verschnaufpause im Sommer noch immer.
Positive Außenhandelsbilanz
Das zeigt sich nun auch an den vorläufigen Zahlen im neuen Außenhandelsbericht der Landesstelle für Statistik und der Wirtschaftskammer Vorarlberg, die am Montag bekanntgegeben wurden. Im ersten Halbjahr wurden Waren und Güter im Wert von über 4,87 Milliarden Euro aus Vorarlberg exportiert. Bei knapp 3,7 Milliarden Euro liegt die Summe der Importe in diesem Zeitraum. Gegenüber dem Vergleichszeitraum im Jahr davor waren krisenbedingte Rückgänge bei Aus- bzw. Einfuhren in Höhe von 8,4 bzw. 8,5 Prozent zu verzeichnen. Ein massiver Rückgang, doch im Österreich-Vergleich noch ein gutes Ergebnis. Bundesweit gingen die Ausfuhren im Bundesschnitt um 11,7 Prozent und die Einfuhren um 12,6 Prozent zurück.
Immerhin: Vorarlberg hat mit einem Handelsbilanzüberschuss von mehr als 1,17 Milliarden Euro neuerlich deutlich mehr Waren und Güter exportiert als importiert. Zum ersten Halbjahr 2019 hat sich der erwirtschaftete Überschuss jedoch um 100 Millionen Euro bzw. 7,9 Prozent verringert. In einem von starker Unsicherheit geprägten, widrigen wirtschaftlichen Umfeld habe sich die heimische Exportwirtschaft dennoch „mehr als nur respektabel behauptet“, würdigen Landeshauptmann Wallner und Wirtschaftslandesrat Tittler die Leistung und das Durchhaltevermögen der Betriebe. „Hinter den Zahlen stecken eine herausragende Kraftanstrengung unserer Unternehmen, der vielen tüchtigen Mitarbeitenden ebenso wie den engagierten Unternehmern“, stellt der Landeshauptmann fest.
„Ein funktionierender Binnenmarkt ist für unsere Betriebe essentiell. Wird dieser gestört, ist das schwerwiegend für unseren Standort.”
Hans Peter Metzler, Präsident Wirtschaftskammer
Für Wirtschaftskammerpräsident Hans Peter Metzler untermauern die Zahlen den hohen Stellenwert des Außenhandels in der Vorarlberger Wirtschaft. „Viele unserer Unternehmen zählen in ihrer Branche zur internationalen Spitze oder sind sogar Marktführer. Die vorliegenden Zahlen unterstreichen, mit welchem Engagement und mit wie viel Mut sich unsere Exportwirtschaft am internationalen Parkett bewegt“, sagt Metzler – und das trotz großer Herausforderungen: „Das vergangene Wirtschaftsjahr war nicht nur von Einschränkungen im Grenz- und Reiseverkehr, sondern auch von Lieferengpässen oder fehlenden ausländischen Vorleistungen geprägt. Gleichzeitig wurde den Betrieben große Flexibilität abverlangt, um Geschäftspartner zu halten, Auslandsmärkte weiterhin zu betreuen und Neuaufträge an Land zu ziehen“, so Metzler. Auch die Bedeutung der EU sei durch die Krise wieder deutlicher geworden. „Ein funktionierender Binnenmarkt ist für unsere Betriebe essentiell. Wird dieser gestört, ist das schwerwiegend für unseren Standort: Über 60 Prozent des Exportvolumens ging in die EU-Mitgliedstaaten inklusive dem Vereinigten Königreich“, erinnert der Präsident: „Das Credo laute daher: Mehr und nicht weniger Europa!“
Wichtigster Handelspartner
Der mit Abstand wichtigste Handelspartner Vorarlbergs mit einem Anteil von 28 Prozent an den Gesamtexporten ist weiterhin Deutschland. Das Exportvolumen liegt bei 1,37 Milliarden Euro (Minus von zwölf Prozent zum Vorjahrshalbjahr), die Einfuhrsumme bei rund 1,35 Milliarden Euro (Minus von 12,5 Prozent zum Vorjahrshalbjahr). Zweitstärkster Handelspartner ist Nachbar Schweiz mit 620 Millionen Euro bei den Ausfuhren und 388 Millionen Euro bei den Einfuhren, gefolgt von Italien (Export mit rund 268 Millionen Euro und -18,5 Prozent; Import mit rund 214 Millionen Euro und -6,5 Prozent).
Eisen- und Metallwaren exportstärkste Branche
Die bedeutendste Warenobergruppe ist die Gruppe der Eisen- und Metallwaren, also Beschläge, Rohre, Profile aus Eisen und Stahl oder Aluminium, Behälter und Bleche. Zusammen mit der Kessel- und Maschinenindustrie erzielte die Metallindustrie beinahe die Hälfte des Exportvolumens und fast drei Viertel des Handelsbilanzüberschusses der Vorarlberger Außenhandelswirtschaft.