Stadtverkehr hat noch Luft nach oben

Markt / 11.12.2020 • 08:00 Uhr
Stadtverkehr hat noch Luft nach oben
So könnte die Stadtseilbahn am Frankfurter Ring in München aussehen. RENDERING STADT MÜNCHEN

München diskutiert gerade über Stadtseilbahn, andere Städte prüfen ebenfalls Bau.

München, Wolfurt Wenn es um Stadtseilbahnen und ihre Auswirkungen sowohl auf den Verkehr als auch auf das soziale Gefüge geht, ist La Paz in Bolivien die Benchmark, denn dort hat sich seit dem Bau des größten städtischen Seilbahnnetzes der Welt beides signifikant verbessert. Doch in der Diskussion, die immer mehr europäische Großstädte erreicht, ist das nur bedingt ein Argument. Südamerikanische Metropolen seien nicht vergleichbar mit den europäischen Städten, wird argumentiert, ohne in die Tiefe zu gehen. Dafür ist, das bestätigt Julia Schwärzler, die Sprecherin des Seilbahnbauers Doppelmayr, auf VN-Anfrage, das Interesse auch in Städten wie München und Wien richtig erwacht. “Es freut uns, dass die Seilbahn als urbane und nachhaltige Verkehrslösung immer öfter und diskutiert wird – auch bei uns in Europa, in Österreich, Deutschland und Co.” 

Stadtseilbahn für München

In München wurde bereits im Jahr 2018 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die soll allerdings erst nächstes Jahr vorliegen. Diskutiert wird aber inzwischen nicht nur, ob eine solche Bahn gebaut wird, sondern darüber, ob sie statt der zuerst angedachten knapp fünf Kilometer nicht gleich über neun Kilometer lang sein soll. Doppelmayr stehe bei der Erarbeitung einer urbanen Seilbahnlösung bei Bedarf unterstützend zur Verfügung. “Wir bringen unser weltweit erworbenes Know-how in der Stadt- und Verkehrsplanung mit urbanen Seilbahnen gerne ein.”

Derzeit realisiert Doppelmayr in Mexiko-City eine urbane Seilbahnlösung – den sogenannten Cablebús 1. Die Hauptaufgabe der Seilbahn wird es sein, die Menschen, die im nördlich gelegenen Viertel Cuautepec wohnen, auf kürzestem Weg zu einem der größten Mobilitätsknotenpunkte der Stadt „Indios Verdes“ zu bringen. Sie bildet damit eine direkte Verbindung zum städtischen U-Bahn- und überregionalen Bussystem. Auch in Mannheim baut Doppelmayr zur Bundesgartenschau 2023 eine Seilbahn. “Sie ist zwar nur als Verkehrsmittel während der Ausstellung für die Besucher auf dem Gelände gedacht, es ist dies aber eine tolle Möglichkeit, in einer deutschen Stadt eine Seilbahn im urbanen Kontext zu erleben”, so Schwärzler.

Seilbahnen haben, so zahlreiche Verkehrsplaner, ein großes Potenzial, als nachhaltige öffentliche Verkehrsmittel einen Mehrwert für Städte und ihre Bewohner zu bieten. Sie verfügen über Eigenschaften, die andere Verkehrssysteme nicht leisten können. Um die Anforderungen an den ÖPNV zu erfüllen und die erwartete Beförderungsqualität zu erreichen, können Seilbahnen außerdem ganz individuell maßgeschneidert werden.