Google Stadia startet in Österreich: Das kann es

Markt / 07.12.2020 • 18:15 Uhr
Google Stadia startet in Österreich: Das kann es

Stadia verspricht barrierefreien Spielspaß ohne Downloads, Updates oder Speicherverbrauch.

Schwarzach Mit Google Stadia will der Internetgigant künftig Spieleplattformen wie Playstation, Xbox und sogar Twitch Konkurrenz machen in Österreich. Google setzt dabei auf die Stärken des Konzerns: riesige Datencentern, schnelle Verarbeitung sowie Chrome und Youtube als Plattformen.

Was es ist

Für den Start braucht man nur eine Gmail-Adresse und die kostenlose Stadia-App. Bei einer ausreichend stabilen Internetverbindung (stabile zehn MBit/s sind das absolute Minimum) können auf dem Handy alle freigeschalteten oder gekauften Spiele ohne Downloads oder Updates sofort gespielt werden. Wer lieber am PC spielt, benötigt dafür Chrome, für den Spielspaß am Fernseher Chromecast Ultra (benötigt die Google Home-App). Grundsätzlich kann auch jeder im Haus verfügbare Controller kombiniert werden, es gibt jedoch auch den Stadia Controller von Google.

Wer ist die Zielgruppe

Grundsätzlich legt man sich vor allem mit den Spielkonsolen an. PC-Spieler sind es inzwischen gewohnt, viel Geld in Hardware zu investieren, dafür aber hohe Autonomie zu besitzen. Stadia wirkt hier schnell wie ein Kompromiss: Die Wiedergabequalität wird nur über die Datenverbindung beeinflusst und kann nicht eingestellt werden. Hier sind PC-Spieler mehr gewohnt. Wer bisher jedoch eher auf Konsolen und/oder tragbare Spielplattformen setzte, hat nun eine verlockende Alternative, schließlich kann man jedes Spiel auf beinahe jedem Bildschirm spielen.

Die Stärken

Die Stärken sind tatsächlich die versprochene Barrierefreiheit. Stadia ist schnella auf allen Geräten eingerichtet und funktioniert in Minuten. Die Spiele starten schnell, laufen sauber ohne Verzögerung und speichern laufend mit, falls die Verbindung mal ausfällt. Gerade Konsolenbesitzer kennen die Problematik von vollen Datenträgern, Speicherplatz wird immer mehr zum Thema. Veraltete Hardware oder eine neue Konsolengeneration sind hier kein Problem mehr. Hier kann Stadia punkten. Die App ist dabei der zentrale Baustein der Plattform: Selbst wer am Fernseher spielt, kann nur am Handy in der App Spiele freischalten.

Wer sich für einen Pro-Account entscheidet, bekommt im Monatsrythmus neue Spiele quasi geschenkt, spicht ohne Zusatzkosten freigeschaltet. Hier locken zum Österreichstart Playerunknown’s Battleground, die ersten beiden Teile der Hitman-Reihe oder Lara Croft and the Temple of Osiris als wohl die bekanntesten Namen.

Durch die App sollen Eltern auch mehr Kontrolle über die Spielerfahrung ihrer Kinder gewinnen und die Art der angezeigten Spiele oder die Spielzeiten einschränken können.

Die Schwächen

Noch ist Stadia jung und kämpft mit Jugendproblemen: Das Angebot an Spielen ist noch ausbaufähig, Exclusives noch selten. Dies wird sich ändern, die Frage ist nur wer alles an Bord geholt werden kann. Auch ist es bisher nur für Android verfügbar, auf iOS-Systemen soll es mit Jahresende verfügbar werden. Irritierend: Gerade Google hat in der App auf eine Suchfunktion vergessen.

Google Stadia startet in Österreich: Das kann es
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Gleichzeitig kann auch die Stärke zur Schwäche werden: Wo die Infrastruktur nicht passt, läuft Stadia nicht. Der Controller funktioniert nur per WLan, gespielt werden kann nur mit der ausreichenden und konstanten Internetverbindung. Im eigenen Zuhause mag die bei der Zielgruppe gegeben sein, ein schnelles Spiel im Gäste-WLan im Hotel oder Zug wird sich jedoch nicht immer spielen. Und gerade die nach Leistung verlangenden AAA-Spiele werden nicht einmal den kleinsten Leistungsverlust verzeihen. Vertrauen in den Internetanbieter und den eigenen Vertrag sind ein Muss, sonst droht Frust.

Zielpublikum Streamer

Derzeit lockt Google mit großen Titeln wie Cyperpunk oder das neue Assassins Creed. Langfristig braucht es natürlich mehr, und mehr ist versprochen. Hier hat Google bereits viel versprochen: Künftig wollen Streamer direkt über Youtube ihr Publikum einbinden können und ihnen Spielentscheidungen übertragen können. So soll Youtube gegenüber Streamingplattformen wie Twitch an Attraktivität gewinnen.

Was noch kommen muss

Spieleentwicklern will man mit der Cloudlösung ebenfalls das Leben einfacher machen. Wenn es Google gelingt, den Spiele-Anbietern attraktive Angebote für plattformübergreifendes Spielen abzuringen, würde dies den Wechsel zu Stadia fördern. Unterm Strich stellt sich aber auch die Frage, ob Stadia nicht zu spät kommt, um den Konsolen schnell gefährlich zu werden.

Google stadia

Der Dienst wurde 2018 angekündigt und startete seinen Dienst Mitte November 2019. Ab dem 7. Dezember 2020 wird es neben Österreich auch in der Polen, Portugal, Rumänien, Schweiz, Slowakei, Tschechien und Ungarn online gehen. Das Angebot umfasste derzeit um die 100 Spiele, bis Jahresende sollen es 120 sein.