Warum die Eventzulieferer schon wieder vergessen wurden

Zulieferer für Veranstaltungen wurden auch beim Umsatzersatz nicht berücksichtigt.
Koblach, Wolfurt, Bregenz Ab einem bestimmten Zeitpunkt mag man als betroffener Unternehmer wohl nicht mehr an Zufälle oder unabsichtlich gemachte Fehler glauben. Das gilt derzeit für Tausenden Firmen in Österreich, die als Eventzulieferer im Hintergrund von Events und Veranstaltungen tätig sind. Dabei geht es um Eventtechniker, die für Beleuchtung und Akustik sorgen, um Zeltverleiher, um Deko-Experten oder um Firmen, die Mietmöbel für Events zur Verfügung stellen. Diese Zulieferer befinden sich seit Mitte März 2020 aufgrund des nahezu vollständigen Ausfalls von Events und Veranstaltungen de facto fast in einem Dauer-Lockdown.
Kein Umsatzersatz
Dieser Dauerlockdown ist jetzt seit sieben Monaten bekannt. Umso überraschender ist die Tatsache, dass der jüngst beschlossene 80-prozentige Umsatzersatz für vom November-Lockdown direkt betroffene Branchen für den Großteil dieser Eventzulieferer nicht gilt. Das zeigt ein Blick in die ÖNACE-Liste jener Branchen, die Anspruch auf diesen Ersatz haben, wie etwa Hotels und Gastronomiebetriebe und auch Eventcaterer. Mit dem ÖNACE-Code wird die wirtschaftliche Tätigkeit eines Unternehmens klassifiziert.
„Wir haben seit März in diesem Bereich einen Umsatzeinbruch von bis zu 80 Prozent.“
Thomas Rohner, Rohner Zelte, Wolfurt
Thomas Hagen von Plus Eventsupport aus Koblach ist einer jener Unternehmer, die keinen Anspruch auf die Umsatzentschädigung haben. “Wir sind als Eventtechniker seit März mit einem Umsatzminus von 95 Prozent konfrontiert, das Geschäft ist fast völlig zum Erliegen gekommen. Seither haben wir nur jene Unterstützungen erhalten, die ohnehin die meisten Firmen bekommen. Darüber hinaus haben wir gar nichts bekommen. Und auch bei der Umsatzentschädigung schauen wir nach aktuellem Stand der Dinge durch die Finger”, klagt Hagen. Denn die ÖNACE-Einstufung seiner Firma verhindere das. “Man hat auf Betriebe wie den unsrigen ganz einfach vergessen, obwohl wir seit Monaten eigentlich zu sind.”
Im Vorjahr habe das Unternehmen noch bis zu 300 Veranstaltungen unterschiedlichster Größe betreut. Dafür beschäftigte Plus Eventsupport fünf Mitarbeiter und bis zu 20 Freelancer etwa bei größeren Events. “Seit März geht fast gar nichts mehr, auch wenn wir genau genommen offiziell nie geschlossen wurden.” Hagen fürchtet, dass die Branche viele Mitarbeiter verlieren werde. “Auch jene Mitarbeiter, die seit vielen Jahren zu uns stehen, kommen irgendwann einmal finanziell an ihre Grenzen, wenn das Geschäft stillsteht.”
Besserung im Sommer 2021
Dabei verweist Hagen darauf, dass der Eventzulieferbranche noch einige schwere Monate ins Haus stehen werden. “Wir gehen davon aus, dass Events und Veranstaltungen frühestens im Frühjahr oder Sommer 2021 und dann nur sehr zögerlich wieder losgehen werden. Veranstalter bräuchten Planbarkeit und Veranstaltungen hätten eine Vorlaufzeit von mindestens zwei bis drei Monaten. Ohne Planungssicherheit werde aber kein Veranstalter das Risiko auf sich nehmen. Zudem lasse sich nicht abschätzen, ob die Menschen dann gleich alle möglichen Veranstaltungen stürmen werden. “Wenn wir Glück haben, dann kommen wir nächstes Jahr auf 15 bis 20 Prozent unseres Umsatzes von 2019”, so Hagen.
Auch der Zeltverleiher Thomas Rohner aus Wolfurt berichtet, dass sein Unternehmen keinen Umsatzersatz im November für verlorengegangenes Geschäft aus dem Eventbereich bekomme. “Wir haben seit März in diesem Bereich einen Umsatzeinbruch von bis zu 80 Prozent.” Glücklicherweise könne das Unternehmen einen Teil davon durch das vermehrte Verleihen von Lagerzelten wettmachen.
Umsatzminus 96 Prozent
Luca Einsiedler vom Eventmöbelverleiher “eventwide” in Bregenz fordert Fairness gegenüber den Event-Zulieferern. “Wenn die Politik schon die Finanz-Bazooka auspackt und allen möglichen direkt betroffenen Branchen 80 Prozent ihres Umsatzes vom Vorjahr ersetzt, dann kann man nicht verstehen, warum indirekt betroffene Firmen hier gar nichts bekommen.” Auch sein 2013 gegründetes Unternehmen sei seit Mitte März nahezu ohne Unterbrechung schwer von den Maßnahmen getroffen. Im Vorjahr wurden noch 165 Veranstaltungen mit den drei Mitarbeitern betreut. Heuer seien es bislang 20 gewesen. “Im zweiten Quartal haben wir ein Umsatzminus von 96 Prozent.”
Besonders ärgerlich sei für seine Branche, dass alle Bemühungen mit Hygienekonzepten, Covid-19-Beauftragten, Vorab-Registrierungen und Maskenpflicht bei Veranstaltungen von der Politik schlussendlich nicht anerkannt worden seien. “Alle diese Investitionen und Weiterbildungen waren umsonst.” Nun organisiert die verzweifelte Branche für erste Gespräche auf Landesebene und hofft auf Hilfe, wie sie auch anderen Branchen gewährt wurde, aus dem Landhaus.