In Vorarlberg stehen Tausende Wohnungen leer

Markt / 24.10.2020 • 05:00 Uhr
In Vorarlberg stehen Tausende Wohnungen leer
Tausende Wohnungen im Land stehen derzeit leer. APA

Projekt “Sicher Vermieten” nimmt Fahrt auf. Aber Angst vor Mietrecht hält weiter viele vor Vermietung ab.

Dornbirn Das Wohnen ist ein beherrschendes Thema im Land geworden. Wie aber schafft man es, der Bevölkerung Wohnraum zu Verfügung zu stellen, den sie sich auch leisten kann?

Ein Hebel ist dabei die Aktivierung leer stehender Immobilien. Denn nicht alle Wohnungen und Häuser im Land werden auch tatsächlich bewohnt oder vermietet. Laut Berechnungen fallen in Vorarlberg rund 8500 Wohneinheiten in diese Kategorie. 2000 davon gelten als kurzfristig aktivierbar, 2000 bis 4000 könnten nach Renovierungen oder unter anderen Rahmenbedingungen auf den Markt kommen.

6,86 bis 7,71 Euro pro Quadratmeter

Um mehr leer stehenden Wohnraum in die Vermietung zu bringen, wurde von Land, Eigentümervereinigung und der Vogewosi die Initiative „Sicher Vermieten“ gestartet. Sie verspricht Eigentümern eine Vermietung ohne Aufwand und Risiko. Etwaige Miet- und Betriebskostenrückstände oder anfallende Kosten für Instandsetzungen werden vom Land übernommen. Zudem muss sich der Eigentümer nicht um Vertragsabschluss oder Kündigung des Mietvertrags kümmern. Dafür müssen Abstriche in Sachen Mietzins in Kauf genommen werden. So erhalten Eigentümer in Gemeinden über 10.000 Einwohner 7,71 Euro netto pro Quadratmeter; für Wohnungen in anderen Gemeinden 6,86 Euro netto.

Entspricht elf Wohnanlagen

Nach einer ersten Pilotphase in Dornbirn wurde das Projekt mittlerweile auf das ganze Land ausgeweitet. Seit 2016 sind so insgesamt 91 Mietverhältnisse zustande gekommen. 45 Mietverträge davon wurden in diesem Jahr abgeschlossen. Bis zum Jahresende gehen die Projektverantwortlichen von 100 Mietverhältnissen aus. Für Markus Hagen, Präsident der Vorarlberger Eigentümervereinigung, ist das ein großer Erfolg. „Jede Wohnung ist ein Gewinn, vor allem auch angesichts dieser krisengeschüttelten Phase. Man muss sich überlegen, wie viele Wohnanlagen das sind, ohne dass für die Errichtung Millionen aufgewendet wurden“, sagt er im VN-Gespräch.

Markus Hagen, Präsident der Vorarlberger Eigentümervereinigung. <span class="copyright">VEV/Gmeiner</span>
Markus Hagen, Präsident der Vorarlberger Eigentümervereinigung. VEV/Gmeiner

Ein Kümmerer gegen Ängste

Zwar habe es am Anfang gewisse Anlaufschwierigkeiten gegeben, aber seit es mit Rudolf Erath einen eigenen Projektkoordinator und Kümmerer seitens des Landes gebe, habe „Sicher Vermieten“ deutlich an Fahrt aufgenommen. „Es braucht einen Betreuer, der den potenziellen Vermietern das Projekt erklärt und ihnen auch die Angst nimmt“, ist Hagen überzeugt. Das strenge Mietrecht würde viele davon abhalten, ihre leer stehende Immobilie zu vermieten. „Da gibt es einen starken psychologischen Aspekt. Viele Vermieter haben Angst vor Schäden oder auch davor, dass sie einen Mieter nie mehr aus der Wohnung bekommen.“

Vieles im Argen

Im Mietrecht sieht Hagen generell vieles im Argen liegen. „Ein ausgeglichenes und faires Mietrecht würde sicherlich zur Beseitigung des Leerstandes beitragen.“ Ein weiterer Lösungsansatz aus seiner Sicht: Die Einführung des „kleinen Vermieters“, also einer Person, die nicht mehr als fünf Wohnungen vermietet. „Ihn müsste man von diesen restriktiven und gefährlichen Mietbedingungen freistellen.” Ein Problem liege beispielsweise in der Befristung eines Mietverhätnisses. „Wenn hier ein Fehler passiert, läuft man sofort in einen unbefristeten Mietvertrag“, ist der VEV-Präsident davon überzeugt, dass mit dieser Lösung viele weitere leer stehende Wohnungen auf den Markt kommen würden.

Zudem müsse man in bestimmten Bereichen auch über eine Verländerung des Mietrechts nachdenken. „Wer Altbestand renoviert und dort Wohnungen schafft, kann nicht mehr als den Richtwertmietzins verlangen, auch wenn es eine Villa am Pfänderhang ist“, nennt der Rechtsanwalt ein Beispiel dafür, wieso viele nicht in der Sanierung aktiv werden.