VN-Wirtschaftstalk: So navigiert Hubert Marte Rondo durch die Krise

Markt / 16.10.2020 • 11:00 Uhr


Rondo-Ganahl-Vorstandsvorsitzender über die Verpackungsbranche und das Unternehmen in schwieriger Zeit.

Schwarzach, Frastanz Hubert Marte ist seit 2016 Vorstandsvorsitzender des Frastanzer Verpackungsspezialisten und Papierherstellers Rondo Ganahl AG. Er spricht über über die außergewöhnliche Zeit für das international tätige Unternehmen, über die Maßnahmen, die in den Werken getroffen wurde, über Arbeitsplätze und wie die Zukunft der Verpackung aussehen wird.

Herr Marte, viele Unternehmen leiden massiv unter der Coronakrise, ihr Unternehmen und ihre Branche nicht, warum?

Die Verpackungsbranche über alle Materialien hinweg ist eine systemrelevante Branche. Das heißt, dass ohne Verpackungen die Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten und anderen wichtigen Gütern zusammenbricht. Darum war es wichtig, dass in der Coronakrise unsere Branche produziert und liefert. Verpackungen sind eine Möglichkeit, um Ansteckungen zu verhindern.

Der Herbst wird nochmals unsicher, wie schätzen sie die nächste Zukunft für Rondo ein?

Wir hatten Umsatzeinbrüche im zweistelligen Bereich im März, April, Mai und haben dann aber in den Folgemonaten massiv wieder aufgeholt. In einigen Werken haben wir sogar ein Plus gegenüber dem Vorjahr. Das hat damit zu tun, dass wir ein extremes Branchensplitting bei unseren Produkten haben. Wir beliefern Kunden im Lebensmittelbereich, Baunebengewerbe, Pharma und Automotive.

Welche Bereiche waren stark, welche haben gelitten?

Von unseren Werken sind drei bis vier im Plus gegenüber dem Vorjahr und in allen diesen Werken haben wir einen Lebensmittelschwerpunkt. Wir haben in der Türkei, in Südrumänien und in Deutschland Werke, die einen hohen Automotive-Fokus haben und die haben schon vor Corona Probleme gehabt. Da haben wir ein Minus von sieben bis acht Prozent. Aber wir merken auch in diesen Werken, dass es wieder aufwärts geht.

Zur Pandemie kommt auch eine Diskussion um Kunststoffverpackungen, wie wirkt sich das auf Sie als Kartonagehersteller aus?

Plastik darf ja nicht insgesamt verteufelt werden. PET-Flaschen sind sicher die beste Lösung für Flüssigkeiten, weil es wenig Material braucht und wenn die Recyclingquote weiter erhöht wird, ist das eine gute Sache. Unserer Verpackung basiert auf Holzfaser, ist kompostierbar verrottet, und wird in Österreich zu 99,9 Prozent bis zu 20 Mal recyclet. Dieser Trend hat uns in den letzten Jahren sehr gut vorangebracht. Corona wird irgendwann vorbei sein, was bleibt ist die Klimaerwärmung und damit die Anforderung ökologisch zu verpacken. Inzwischen können wir Produkte machen, die keine Folierung mehr brauchen.

Welche Pläne hat Ihr Unternehmen mittel- und langfristig?

Wir haben in den vergangenen Jahren sehr expandiert, wir haben mit Zukäufen unser Portfolio damit abgerundet. Wir werden uns weiter umschauen, und jede Chance nützen. Wir sind in den bestehenden Werke ständig am expandieren und investieren jedes Jahr einen sehr hohen Betrag zehn bis 15 Prozent unseres Umsatzes.

Hubert Marte war heute zu Gast beim VN-Wirtschaftstalk. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span><p class="caption">
Hubert Marte war heute zu Gast beim VN-Wirtschaftstalk. VN/Paulitsch