Vorarlberg braucht Aufholjagd bei Kinderbetreuung und in Pflichtschulen

Markt / 12.10.2020 • 05:30 Uhr
Eco Austria hat im September 2020 ein aufschlussreiches Bundesländer-Benchmarking zu Effizienzpotenzialen bei der Kinderbetreuung und in den Pflichtschulen erarbeitet. <span class="copyright">APA</span>
Eco Austria hat im September 2020 ein aufschlussreiches Bundesländer-Benchmarking zu Effizienzpotenzialen bei der Kinderbetreuung und in den Pflichtschulen erarbeitet. APA

EcoAustria-Studie sieht in Vorarlberg große Effizienzpotenziale. 71 Millionen Euro an budgetärem Spielraum.

Wien In der Wirtschaft ist üblich, das Verhältnis von Mitteleinsatz und Wirkung regelmäßig zu überprüfen, um die Effizienz zu analysieren und gegebenfalls zu optimieren. Das hat nun auch das Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria getan und sich die Effizienzpotenziale bei der Kinderbetreuung und in den Pflichtschulen genau angesehen und sieht dabei reichlich Effizienzpotenzial.

In der Kinderbetreuung hat EcoAustria auf der Grundlage der aktuell verfügbaren Daten aus der Bildungsausgabenstatistik (2018) und der Kindertagesheimstatistik (2018/2019) eine Input-Output-Analyse angestellt. So wurde den öffentlichen Ausgaben der Länder und Gemeinden für die Kinderbetreuung die Zahl der betreuten Kinder gegenübergestellt. Aufgrund großer Unterschiede bei Öffnungszeiten und Schließtagen zwischen den Bundesländern und den daraus resultierenden Kostenunterschieden wurden die Öffnungszeiten für die Analyse herausgerechnet. Der Effizienzvergleich zeigt: Die Ausgaben pro Kind liegen in Vorarlberg bei 7894 Euro. Das bedeutet Rang 8 im Bundesländervergleich. Laut EcoAustria ergibt sich für Vorarlberg in Summe ein Potenzial zum effizientesten Bundesland (Tirol) von 21 Prozent, was umgerechnet 28 Millionen Euro bedeutet.

Vorarlberg braucht Aufholjagd bei Kinderbetreuung und in Pflichtschulen

Größtes Potenzial bei Schulen

Bei den Pflichtschulen hat Vorarlberg laut EcoAustria sogar das größte Effizienzpotenzial aller Bundesländer. Auch hier wurden die Ausgaben der Bundesländer und Gemeinden nach der Bildungsausgabenstatistik als Input zusammengezählt. Als Output wurden die Ergebnisse der Bildungsstandüberprüfungen des BIFIE herangezogen. Herausgerechnet wurden wiederum bundesländerspezifische Unterschiede sowie Unterschiede hinsichtlich Kleinstschulstrukturen.

Das Ergebnis: Die Kosten je Schüler unter Strukturbereinigung der Klassengrößen belaufen sich in Vorarlberg auf 10.961 Euro und sind damit im Bundesländervergleich am höchsten. Bei den strukturbereinigten BIFIE-Ergebnissen liegt Vorarlberg auf Rang 8. In Summe ergibt sich für Vorarlberg ein Potenzial zum effizientesten Bundesland (Oberösterreich) von 12 Prozent oder 43 Millionen Euro bedeutet.

Zusammenfassend sieht die EcoAustria Studie somit für Vorarlberg, wenn man sich jeweils am effizientesten Bundesland orientiert, mögliche budgetäre Spielräume von 71 Millionen Euro.

Vorarlberg braucht Aufholjagd bei Kinderbetreuung und in Pflichtschulen

Mehr Anstrengungen

Martin Ohneberg, Präsident der Industriellenvereinigung Vorarlberg, hat sich diese Studie ebenfalls angesehen. Schließlich sei gerade der Einstieg ins Bildungssystem für Gesellschaft und Wirtschaft besonders wichtig. „Unabhängig von der genauen Platzierung ist es augenscheinlich, dass Vorarlberg eine Aufholjagd beginnen muss. Aus den Daten bei der Kinderbetreuung wissen wir, dass es eine positive Tendenz gibt, doch die Anstrengungen müssen verstärkt werden“, sagt er zu den Ergebnissen. Ebenso wünscht sich Ohneberg, dass sich die Experten des Landes über die institutionellen Ursachen und Hintergründe solcher Ergebnisse beraten und die Politik im Sinne der Positionierung „2035 ist Vorarlberg der chancenreichste Lebensraum für Kinder“ mutige Entscheidungen trifft.