Wirtschaftskammer: Trotz hoher Rücklagen kein Erlass der Grundumlage

Betriebe müssen zahlen. 100.000 Euro aus dem Hilfsfonds der Wirtschaftskammer abgerufen.
Wien Die Kammerumlage bleibt, wie sie ist. Trotz Widerstand im Gastro- und Hotelgewerbe und Krise ist das fix. Mitgliedsbetriebe der Wirtschaftskammer Vorarlberg müssen die Grundumlage zahlen. Eine Ermäßigung oder ein Erlass könne aber beantragt werden, sagt WKV-Direktor Christoph Jenny. Schon bisher war dies möglich. Die Neos sind enttäuscht. „Die Grundumlage zu streichen, ist das Mindeste, was die Wirtschaftskammer jetzt tun kann”, erklärt der Gastronom und Abgeordnete Sepp Schellhorn. Die Kammer habe ausreichend Rücklagen, um das zu stemmen. Es handle sich um kleinere Beträge. Er fordert von der Interessensvertretung, die Betriebe auch darüber hinaus zu unterstützen.
Die WKV wollte das mittels Hilfsfonds für Einzelunternehmer und Kleinstbetriebe in existenzieller Notlage tun. Von den dafür reservierten 1,6 Millionen Euro wurden bislang 100.000 Euro von rund 40 Betrieben abgerufen, bestätigt Jenny den VN. Nachdem der Härtefallfonds des Bundes immer wieder geändert worden sei, seien deutlich weniger Unternehmer in eine Notsituation geschlittert. Wer Geld aus dem Härtefallfonds bekomme, brauche die WKV-Unterstützung nicht. Daran ändere sich nichts.
Auch die Wirtschaftskammer wird die Krise spüren. Da die Kammerumlagen, die der Finanzierung der Interessensvertretung dienen, sowohl umsatz- als auch beschäftigungsabhängig sind, werden die Einnahmen sinken. Bei der Grundumlage, die für die Arbeit der Fachgruppe verwendet wird, sei die Zahl der Ansuchen nach Ermäßigung oder Erlass bereits gestiegen, erklärt Jenny. Dies betreffe Sparten wie Information und Consulting und den Tourismus.
Finanziell steht die Kammer unterm Strich weiterhin gut da, wie eine Analyse der Beantwortung von zwei Neos-Anfragen zeigt. Demnach erwirtschaftete die Wirtschaftskammer 2019 österreichweit einen Gewinn von über 112 Millionen Euro, 2,3 Millionen davon in Vorarlberg. Die Kammerumlage spielte der Interessensvertretung mehr als 778 Millionen auf Bundes-, davon 26,5 Millionen auf Landesebene ein. Der Neos-Abgeordnete Schellhorn erinnert auch das Reinvermögen, wovon österreichweit 779 Millionen Euro in Wertpapieren und 374 Millionen in Bankguthaben liege. In der WKV sind es laut Anfragebeantwortung 28 (Wertpapiere) und 19 Millionen Euro (Bankguthaben).
“Rücklagen verwenden”
Die Kammer sei kein Sparverein, kritisiert Schellhorn. Gerade jetzt, in der Krise müsse sie ihre Rücklagen verwenden, um die Betriebe zu unterstützen. “Sie muss sie entlasten. Die Streichung der Grundumlage wäre ein Beginn.”