Warum die Wirtschaft in den Alpen eine Lobby braucht

Markt / 05.10.2020 • 20:00 Uhr
Warum die Wirtschaft in den Alpen eine Lobby braucht
Wetterfeature: Ski Feature Silvretta Montafon Tourismus hat in den Alpen Wohlstand gebracht, er sorgt aber oft auch für Konflikte – ein Dialog ist deshalb laut Vitalpin wichtig. VN/LERCH

Alpiner Schulterschluss: Skigebiete, Hotels und Zulieferer mit eigener internationaler Interessenplattform.

Innsbruck Als der Verein Vitalpin bei der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin im Jahr 2019 vorgestellt wurde, war die alpine Tourismuswelt noch eine andere. Von Ischgl, Corona und Lockdown war keine Rede. Was heute die Diskussion bestimmt, nämlich die Folgen für die gesamte Tourismuswirtschaft inklusive der von ihr abhängigen Branchen und Arbeitsplätze, ist heuer in den Fokus des Vereins gerückt, wie Geschäftsführerin Theresa Haid berichtet. Etwas Gutes ist in der Krise nicht zu finden für die Touristiker, allerdings nimmt sie dem Verein gerade eine Aufgabe ab: So zeigt sie die Lieferketten auf, die Abhängigkeit von Handel, Gewerbe, Landwirtschaft und den Tausenden Arbeitskräften, die in diesen Bereichen oder im Tourismus direkt arbeiten.

Grenzübergreifende Zusammenarbeit

Der Verein Vitalpin arbeitet – und das ist neu – grenzübergreifend, man wolle Stimme sein für die Tourismuswirtschaft im deutschsprachigen Alpenraum und, so Haid, “nicht das Problem, sondern Teil der Lösung sein”, wie sich in diesem sensiblen Raum Mensch, Natur und Wirtschaft auch in Zukunft entwickeln können. Die Idee fand Widerhall – von 25 Gründungsmitgliedern ist Vitalpin auf inzwischen über 100 gewachsen, darunter auch Skigebiete, Hotels und Zulieferer aus Vorarlberg (siehe Factbox).

„Ziel im Alpentourismus ist nicht ein Mehr an Menge, sondern ein Mehr an Wert.“

Theresa Haid, Geschäftsführerin Vitalpin

“Es braucht ein Umdenken, ein Zurück zum rechten Maß”, sagt Haid, deshalb sei der Dialog mit der Bevölkerung wichtig, in der zuletzt die positive Tourismusgesinnung stark abgenommen habe. Und auch mit NGOs wie der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA, den Alpenschutz- und Alpenvereinen, aber auch der Landwirtschaft werde man – unabhängig von der derzeitigen Coronapandemie – das Gespräch suchen, um das Wichtigste zu schützen, was die Alpen so attraktiv für die Bevölkerung und Ski- wie Wandergäste macht: die überwältigende Natur.

CO2-Bilanz der Mitgliedsbetriebe

Ein erster Schritt war die Erstellung einer CO2-Bilanz der Mitgliedsunternehmen, verbunden mit Maßnahmen, um diese zu verbessern. Vitalpin gehe es auf keinen Fall um “Greenwashing”, sondern um echte Verbesserungen für Klima und Umwelt in den Alpen, betont Haid, deshalb sei es auch wichtig, dass nicht nur eine Bilanz erstellt werde, sondern auch Taten folgen. Diskussionen und Konflikte sollen durch die Tätigkeit von Vitalpin und im Sinne des Vereinszwecks zuerst mit den unmittelbar Betroffenen und den NGOs ausdiskutiert werden. Und das inkludiert derzeit auch ein Konzept, wie grenzübergreifend für sichere Ferien in den Alpen gesorgt werden kann.

Vitalpin in Vorarlberg

Gegründet 2018, tätig seit 2019

Obmann, Geschäftsführerin Hannes Parth, Theresa Haid

Sitz Innsbruck

Mitglieder in Vorarlberg Doppelmayr Seilbahnen GmbH, POOL-Alpin Einkaufsgemeinschaft GmbH, Pfänderbahn AG, Hotel Montafoner Hof, Ski-Zürs AG, Tourismusbetriebe Warth Holding GmbH, Silvretta Montafon