Darum sind die Insolvenzen im Land stark zurückgegangen

Markt / 23.09.2020 • 11:10 Uhr
In Vorarlberg sind die Insolvenzanträge wegen der Coronamaßnahmen stark zurückgegangen und zwingen auch die Justiz zum Verharren. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
In Vorarlberg sind die Insolvenzanträge wegen der Coronamaßnahmen stark zurückgegangen und zwingen auch die Justiz zum Verharren. VN/Paulitsch


Kreditschützer warnen vor Pleitenlawine im nächsten Jahr.

Feldkirch Die Analyse der Unternehmensinsolvenzen zeigt auch nach einem weiteren Quartal nach dem Corona-Shutdown ein unverändertes Bild: Durch Verschleppung der Insolvenzen kam es österreichweit in den ersten drei Quartalen zu einem massiven Insolvenzrückgang von rund 32 Prozent, in Vorarlberg sogar zu einem Minus von fast 40 Prozent. Das sind 38 Verfahren weniger als zum Vergleichszeitraum des Vorjahres (2019: 96 Insolvenzen). Die daraus resultierende Konsequenz, so der Kreditschutzverband 1879 (KSV 1870), sei eine Wettbewerbsverzerrung, deren Ausmaß weiterhin nicht greifbar im Dunklen liege. Die größte Gefahr dabei ist, dass damit auch „gesunde Firmen“ mit ins Verderben gezogen werden.

Huber größter Fall

Die Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung der vier insolventen Gesellschaften der Huber-Gruppe waren seit Jahren der millionenschwerste Insolvenzfall in Vorarlberg. Mit rund 40 Millionen Euro anerkannten Forderungen von insgesamt  447 Gläubigern und über 500 Mitarbeitern konnte im August dieses Jahres eine Einigung mit den Gläubigern gefunden werden (die VN berichteten). Durch die Zustimmung der Gläubiger zu den Sanierungsplänen, den durchgeführten Restrukturierungsmaßnahmen sowie Investitionen des Eigentümers konnte die Schließung der 70 Huber-Shops verhindert sowie viele Arbeitsplätze erhalten werden. Statt über 100 wurden schlussendlich 70 Kündigungen ausgesprochen.

Die skizzierte Situation hat die Wirtschaft den „Corona-Maßnahmen“ zu verdanken. Diese waren  dafür gedacht, Unternehmen, denen der verordnete Lockdown massiv geschadet hat, zu unterstützen. Doch der Schuss ging nach hinten los: „Anstatt betroffene Firmen, die eine Zukunft vor sich haben, zu helfen, werden damit „kranke“ Unternehmen künstlich am Leben gehalten und ziehen tragischerweise damit auch noch gesunde Firmen ins Verderben. Durch ein Ende dieser Gießkannen-Maßnahmen könnte jedoch jetzt noch Schlimmeres verhindert werden,“ erklärt Regina Nesensohn, Leiterin des KSV 1870 in Vorarlberg.

Die Verschleppung von Insolvenzen werde spätestens im nächsten Jahr zu einem massiven Anstieg der Pleiten führen, so Nesensohn. Weil viele der Firmen absehbar nicht sanierungsfähig sind, werde das zu Nullquoten für die Gläubiger führen und weitere Firmen mit sich reißen.

Weniger Privatinsolvenzen

Ähnlich wie bei den Unternehmen sieht es bei den Privatinsolvenzen aus. 233 Verfahren in Vorarlberg bedeuten ein Minus von 28,7 Prozent zum Vorjahr (2019: 327). Die Verbindlichkeiten sind von 39 Millionen Euro auf 20 Millionen gesunken, ein Minus von  48,7 Prozent. Auch für private Schuldner hat es während des coronabedingten Ausnahmezustandes aufgrund von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit unbürokratische Stundungen gegeben. Diese Erleichterung für private Schuldner könne und werde  langfristig für Probleme sorgen – spätestens dann, wenn die Zahlungen fällig gestellt werden. „Leider vergessen viele, dass Stundungen nicht einen Erlass bedeuten, sondern die Zahlungen zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen müssen“, so Nesensohn.

Entgegen den Unternehmensinsolvenzen steigen die privaten Verfahren von Monat zu Monat wieder. „Langsam aber stetig bewegen sich die Zahlen in Richtung Vorjahresniveau, was aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange ist. Private Schulden sind nun einmal kein kurzfristiges Phänomen,“ so Nesensohn.