So soll Platz für Bauschutt geschaffen werden

Vorarlberger Bauwirtschaft legt konkrete Vorschläge für mehr Platz auf Deponien vor.
Feldkirch In Vorarlberg werden – wie bekannt ist – die Deponieflächen für Bauaushub und Bauschutt zunehmend knapp. Strenge Auflagen verbunden mit viel Bürokratie, die geografische Ungleichverteilung der nutzbaren Deponien sowie die steigende Menge an Entsorgungsmaterial verschärfen die Situation zusätzlich, klagen die betroffenen Baufirmen. Zahlen muss den Mehraufwand am Ende allerdings der Bauherr. Um dem Deponiemangel pragmatisch entgegenzuwirken, legt die Vorarlberger Bauwirtschaft nun ganz konkrete kurz- und mittelfristige Maßnahmen vor. „Es müssen rasche Maßnahmen gesetzt werden, Handlungsbedarf besteht jetzt“, alarmiert Bauinnungsmeister Peter Keckeis. „Die Deponien und somit auch die Bauwirtschaft müssen entlastet werden. Dazu braucht es pragmatische Lösungen.“
Konkrete Lösungen
Die Innung belässt es nicht beim Alarmschlagen, sie stellt Maßnahmen vor, die, so Keckeis, möglich und zielführend seien – nämlich eine Bündelung der Kompetenzen auf Behördenebene, denn aktuell sind alle vier Bezirkshauptmannschaften zuständig. Auch soll die Bearbeitung eingereichter Deponieprojekte beschleunigt werden. Ganz wichtig in den Augen der Bauunternehmer sei die stärkere Einbindung der Gemeinden, um das Problem zu lösen. So sollen Deponiestandorte mit optimalen Anschlüssen an ein höherrangiges Straßennetz geprüft werden. Die Lösungsvorschläge wurden bereits bei Wirtschaftslandesrat Marco Tittler deponiert.
„Es müssen rasche Maßnahmen gesetzt werden, Handlungsbedarf besteht jetzt.“
Peter Keckeis, Innungsmeister Bau
Als Sofortmaßnahme schlägt die Bauinnung vor, die bereits genehmigten Kapazitäten zu erhöhen und damit „eine faire und dezentrale Lösung für das ganze Land“ zu schaffen. Eine Sofortmaßnahme wäre, die bestehenden Deponieflächen in Vorarlberg um 20 bis 30 Prozent zu erweitern. „Damit würde eine einseitige Verkehrsbelastung verhindert und die Preisdynamik entspannt werden. Vor allem könnte die somit gewonnene Zeit genützt werden, um eine langfristige Lösung zu finden“, sagt Innungsgeschäftsführer Hilmar Müller.
Die Bauwirtschaft setzt auf Dialog, denn neben den bürokratischen Hürden komme oft der Widerstand der betroffenen Bevölkerung dazu, der die Genehmigung neuer Deponien verhindere. Aus diesem Grund fordert die Bauinnung einen intensiven Austausch mit den Gemeinden und der Bevölkerung. „Durch eine konstruktive Zusammenarbeit könnten wir die Deponien im Land besser verteilen und dadurch Vorteile für alle schaffen“, ist der stv. Innungsmeister Alexander Stroppa überzeugt. „Neben weniger Verkehrsaufkommen bringen gemeindeeigene Deponien zusätzliche Einnahmen in die Gemeindekassa und Bauen wird wieder leistbarer gemacht.“
Dezentrale Lösungen
Zur Bürokratie kommen die Transportkosten hinzu. „Die rund 30 Deponien im Land sind geografisch ungleich verteilt. Bauunternehmen sind gezwungen, anfallenden Bauaushub zunehmend nach Deutschland zu befördern und dort zu deponieren. Das führt zu durchschnittlichen Transportwegen von mindestens 30 bis 40 Kilometern in Vorarlberg. „Dies belastet die Umwelt und wirkt sich auch negativ auf die Verkehrssituation aus.”
Alles zusammen schlage sich direkt in den Preisen nieder, wie das Beispiel eines privaten Hausbauers zeige. „Die Kosten für die Deponierung des Aushubs eines Einfamilienhauses betragen inzwischen rund fünf Prozent der Gesamterrichtungskosten“, so Keckeis. Aus Sicht der Bauinnung steht diese Situation dem leistbaren Wohnraum massiv entgegen.
Langfristige Lösungen
Langfristig betrachtet seien insbesondere für Großbauprojekte wie dem Stadttunnel in Feldkirch oder dem Hochwasserschutzprojekt Rhesi zusätzliche Deponielösungen notwendig. Auch für die Betreiber der Deponien sollten künftig mehr Rechtssicherheit und klare Bedingungen geschaffen werden.