Für Betriebsrätin Jessica Lutz ist Engagement eine Herzensangelegenheit

Markt / 22.08.2020 • 11:00 Uhr
Für Betriebsrätin Jessica Lutz ist Engagement eine Herzensangelegenheit
Jessica Lutz’ Engagement begann als Jugendvertrauensrätin für Lehrlinge. L. MATHIS

Die 34-jährige Höchsterin arbeitet bei Blum und ist seit Mai Vizepräsidentin der Arbeiterkammer.

Höchst Sich zu engagieren liegt Jessica Lutz im Blut. Bereits in ihrer Jugend – konkret in ihrem Ausbildungsbetrieb Wolford – kümmerte sie sich als Jugendvertrauensrätin um die Anliegen der Lehrlinge im Unternehmen. „Ich packe gerne an und bringe Dinge weiter“, sagt sie über ihren Antrieb. Als die heute 34-Jährige vier Jahre später zum Beschlägehersteller Blum wechselte, blieb dieses Engagement nicht lange unentdeckt. „Der Betriebsrat ist an mich herangetreten, und ich habe gesagt, da mache ich gerne mit“, erzählt sie. Seit 2009 ist Lutz Betriebsrätin und seit drei Jahren auch Stellvertreterin des Betriebsratsvorsitzenden.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Bei Blum arbeitet Lutz in der Einkaufsabteilung. „Mein Job ist die Beschaffung. Das heißt, die Bestellungen müssen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein“, so Lutz. Dabei auch immer die Zahlen im Blick zu haben liegt der Höchsterin.

Die Coronakrise war für sie eine speziell herausfordernde Zeit. „Von den Mitarbeitern kamen sehr viele Fragen an den Betriebsrat. Darum haben wir auch eine eigene Hotline eingerichtet.“ Der gute Draht zur Arbeiterkammer war dabei hilfreich. „So konnten wir mit den Experten dort viele offenen Fragen klären.“

Der Betriebsrat bei Blum hat eine lange Tradition und ist eine Anlaufstelle mit einem breiten Spektrum. Im vergangenen Herbst wurde beispielsweise eine Typisierungsaktion organisiert, an der 1126 Mitarbeiter teilnahmen. Zudem werden Impfaktionen organisiert, die Gesundheit am Arbeitsplatz gefördert, über Pensionszeiten oder Karenzregelungen informiert, aufgrund der Betriebsgröße keine leichte Aufgabe. „Bei über 6000 Mitarbeitern in acht Werken und als Dreischichtbetrieb ist das organisatorisch oft eine Herausforderung“, sagt Lutz. So werden bei einer Apfelaktion in zwei Wochen gleich einmal zehn Tonnen der gesunden Jause verteilt.

Motivation und Freude

Aber Dinge zu tun, die anderen nutzen, ist das, was Lutz antreibt. So verwundert es auch nicht, dass sie sich zusätzlich in der Arbeiterkammer engagiert. „Seit Mai bin ich Vizepräsidentin. Das ist eine spannende Aufgabe, weil wir als Interessensvertretung viel bewegen können. Wenn auf unsere Initiative hin Maßnahmen gesetzt werden, freut und motiviert mich das.“

Ein großes Anliegen ist ihr die Kinderbetreuung. „Die Öffnungszeiten und Schließtage sind teilweise sehr schlecht vereinbar mit einer Berufstätigkeit. Das zeigt der Vereinbarkeitsindikator für Familie und Beruf, der erfasst, wie viele Plätze in der Kinderbetreuung mit einer Vollzeitbeschäftigung der Eltern vereinbar sind“, bemängelt Lutz. Die Verantwortung sollte ihrer Meinung nach von den Gemeinden zum Land wandern, damit es überall die gleichen Strukturen gibt. „Gerade während der Lockdowns hat man gesehen, dass die Betreuung nicht überall funktioniert hat. Will Vorarlberg bis 2035 chancenreichster Lebensraum für Kinder werden, muss man sich hier anstrengen.“

Gelebte Sozialpartnerschaft

Was ihrer Meinung nach mittlerweile wieder sehr gut funktioniert, ist die Sozialpartnerschaft. „Bei der Kurzarbeit wurde in kürzester Zeit eine gemeinsame Lösung gefunden, die für beide Seiten – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – passt. Das war früher anders. Deshalb macht mich das sehr stolz.“