Wie Industrie und Handwerk der Zukunft Perspektive geben

Markt / 28.07.2020 • 05:30 Uhr
Wie Industrie und Handwerk der Zukunft Perspektive geben
Stefanie Huber, Johannes Collini, Christian Thaler und Marcel Thaler sind überzeugt, dass die Kooperation für Lehrlinge, Betriebe und Standort gut ist. VN/STIPLOVSEK

Gemeinsame Initiative von VEM und technischem Handwerk für mehr Lehrstellen.

Schwarzach „In Vorarlberg sind wir es gewohnt in Generationen zu denken“, sagt Johannes Collini. Der Vorsitzende der Vereinigung „Vorarlberger Elektro- und Metallindustrie (VEM) kündigt damit ein Projekt an, das „einzigartig in Österreich ist“. Die VEM, in der alle großen Industriebtriebe im technischen Bereich Mitglieder sind, geht nämlich eine Kooperation mit dem Metall-Elektro-Technik-Gewerbe (MET) ein und unterstützt die Ausbildung in technischen Berufen mit dem stolzen Betrag von 500.000 Euro. Natürlich ist das Projekt nicht uneigennützig, denn der Hintergrund ist, dass der Produktionsstandort Vorarlberg in diesen Branchen einen hohen Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern hat.

Keine kurzfristige Maßnahme

Es gehe dabei nicht um eine kurzfristige Corona-Maßnahme, stellt Collini klar, da Projekt habe schon vor der Coronakrise Fahrt aufgenommen, nun habe das Virus dafür gesorgt, dass wir es etwas schneller umgesetzt haben, und wenn auch heuer der Fachkräftebedarf „geringfügig kleiner ausfällt“, könne schon in den nächsten Monaten wieder mit einer Verschärfung der Lage gerechnet werden, betont Christian Thaler, Innungsmeister der Metalltechniker und Spartenobmann-Stv. des Gewerbe und Handwerks im Gespräch mit den VN. Es gehe langfristig auch darum, auf dem hohen Niveau, das die Vorarlberger Produktionsbetriebe haben, im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.

„Wir arbeiten mit vielen Handwerksbetrieben zusammen, sie sind Lieferanten, Dienstleister und Partner“, so Collini, deshalb ist es uns wichtig, dass in diesen Branchen die Ausbildung sehr gut ist und auch Jugendliche – und dabei vor allem Mädchen – für diese Berufe zuerst begeistert und dann auch auf höchstem Niveau ausgebildet werden.“ Die Aktivitäten, die mit diesen 500.000 Euro finanziert werden, werden vom Handwerk selbst bestimmt, da werde man nicht reinreden. Bis auf eines: Die Industriebetriebe selbst machen auf freiwilliger Basis eine Zwischenprüfung zum Lehrmitte, einen Wettbewerb zur Mitte der Ausbildungszeit würde man sehr unterstützen.

Natürlich hoffe man darauf, mit dieser Kooperation weitere Jugendliche für eine Ausbildung in den technischen Berufen zu finden, die Rede ist von bis zu 100 zusätzlichen Lehrstellen, von einer Lehrlingsprämie könne man aber auf keinen Fall sprechen, stellen Thaler und Collini klar. Neben den technischen Ausbildungen in den verschiedenen elektrotechnischen und metallverarbeitenden Berufen liegen weitere Schwerpunkte auf den Bereichen Digitalisierung und IT. Mit der Ausbildung im Gewerbe spreche man auch andere Zielgruppen an, informiert Thaler. „Wir sind traditionell oft am Bau tätig, sind kleine mittelständische Betriebe, die als Zulieferer mit den großen Industriebetrieben mitgewachsen sind und begenen und als verlässliche Partner mit Handschlagqualität.“

Anderen Zugang zu Lehrlingen

Im Gegensatz zur Industrie, die oft schulähnliche Strukturen in ihren Lehrwerkstätten haben, arbeite man im Gewerbe in kleinen Einheiten, habe ganz andere Möglichkeiten die Menschen anzusprechen. „Bei uns ist man von Anfang an in die Produktion integriert“, streicht Christian Thaler den Unterschied heraus. Gemeinsam wolle man den Jugendlichen attraktive und vor allem zukunftssichere Ausbildungen ermöglichen, die Perspektive haben und für den Standort wichtig sind. Dies zu vermitteln wird eine der Aufgabe der Projektverantwortlichen, Stefanie Huber für die VEM und Marcel Thaler für dier MET sein. Das Projekt soll zur Dauereinrichtung werden, nun gilt es auch Bezugspersonen der jungen Menschen vom Potenzial der Techniklehre zu überzeugen.

858 Lehrstellen stehen derzeit in Vorarlberg zur Auswahl

Schwarzach, Bregenz 249 Jugendliche sind derzeit auf der Suche nach einer Lehrstelle, die Vorarlberger Unternehmen suchen mit Stand Montag, 27. Juli, 858 Jugendliche, die eine duale Ausbildung machen wollen. Die Zahlen werden sich noch verändern, so Katharina Neuhofer
Stv. Landesgeschäftsführerin des Arbeitsmarktservice. Denn mit Schulschluss drängen weitere Jugendliche auf den Arbeits- bzw. Ausbildungsmarkt. Erfahrungsgemäß kommen aber auch weitere Lehrstellen dazu, so Neuhofer. Theoretisch bekommt also jeder Jugendliche, der eine berufliche Ausbildung machen will, eine Stelle. Allerdings, so Neuhofer, gibt es natürlich Ausbildungswünsche – also Branchen, in welchen es einen Mangel al Lehrstellen gibt, und Berufe, die nicht so gefragt sind. Mit weiteren Angeboten (siehe oben) und der Initiative der Wirtschaftskammer, in welcher Firmen weitere 60 Stellen geschaffen haben, müsste allerdings das Angebot auch heuer für jeden das Richtige bieten.