Verlust bei Strumpfkonzern Wolford verdreifacht

Markt / 23.07.2020 • 15:00 Uhr
Verlust bei Strumpfkonzern Wolford verdreifacht
Beim Vorarlberger Wäschehersteller hat die Corona-Pandemie tiefe Spuren in der Bilanz hinterlassen. WOLFORD

Coronakrise hinterlässt ihre Spuren. 2021 will man wieder Gewinne schreiben.

Bregenz Während in der Coronakrise vor allem Lebensmittel in hohem Ausmaß gekauft wurden, wurde auf Luxusprodukte eher verzichtet. Zu groß war die Unsicherheit, wie groß die Auswirkungen der Pandemie tatsächlich sein werden.

Der Bregenzer Strumpfkonzern Wolford war da mit seinen Produkten im höheren Preissegment unmittelbar betroffen. Bereits vor Corona kämpfte das mehrheitlich in chinesischem Besitz stehende Unternehmen mit Verlusten. Diese wurden noch einmal verschärft.

Das Geschäftsjahr 2019/20 (Mai 2019 bis April 2020) brachte einen Umsatzrückgang von knapp 14 Prozent auf 118,5 Millionen Euro. Allein in den Monaten März und April brachen die Umsätze coronabedingt um rund 60 Prozent ein. Denn die meisten Shops mussten aufgrund des Lockdowns schließen. Für die Mitarbeiter wurde daraufhin Kurzarbeit angemeldet, ein Krisenplan kam zum Tragen und Wolford stieg kurzerhand in die Schutzmaskenproduktion ein.

Nichtsdestotrotz ist auch das Ergebnis schwer unter Druck geraten. Das operative Ergebnis (EBIT) sank von minus neun auf minus 28,7 Millionen Euro. Der Verlust nach Steuern von minus 11,1 auf minus 27,42 Millionen Euro.

Die Liegenschaft von Wolford Bregenz wurde mittlerweile an den Beschlägehersteller Blum verkauft und wird vom neuen Eigentümer zurückgemietet. Der Kaufpreis belief sich auf 72 Millionen Euro. Das biete nun den notwendigen Spielraum, um die Zukunft des Unternehmens zu gestalten.

Online wächst

Andrew Thorndike und Silvia Azzali, das neue Vorstandsduo, das im Herbst 2019 startete, hatte noch vor Corona einen Plan entwickelt, um das Unternehmen neu auszurichten. Dieser beinhaltete unter anderem eine Anpassung bei den internationalen Standorten, die Optimierung von Einkauf und Beschaffung sowie eine Effizienzsteigerung in Produktion und Logistik. Zudem wurde in Technologie und Personal für das Online-Geschäft investiert und das Produktportfolio gestrafft. „Bei allen einschneidenden Auswirkungen war und ist die Corona-Pandemie für uns keine Entschuldigung“, betont Andrew Thorndike. Man habe das Programm nun einem Corona-Stresstest unterzogen, teilweise adaptiert und werde es jetzt konsequent weiter umsetzen.

Beim Online-Geschäft beispielsweise sieht man eine erste Wirksamkeit. Per Ende April 2020 sind die Online-Umsätze um über 41 Prozent gestiegen, Ende Juni lagen sie bei über 54 Prozent zum Vorjahr und repräsentieren nun rund 30 Prozent des Gesamtumsatzes.

Strukturwandel verschärft

Dennoch werde Corona den Strukturwandel in der Modebranche noch einmal drastisch verschärfen. „Die Pandemiezeit hat uns die Gelegenheit gegeben, unsere Markenarchitektur zu überprüfen und zu straffen, nicht nur, um unseren Konsumenten den Zugang zur Marke zu erleichtern und eine Beziehung zu ihr aufzubauen, sondern auch, um die Entwicklung neuer Produkte in naher Zukunft besser zu steuern und unser Geschäft in neue Segmente auszuweiten“, sagt Vertriebsvorstand Silvia Azzali. Deshalb wolle man nun auch konsequent zur Marken-DNA zurückkehren.

Insgesamt geht der Vorstand davon aus, dass die Auswirkungen der Coronakrise noch bis Mitte kommendes Jahr spürbar sein werden. Dennoch will man 2021 operativ wieder in die Gewinnzone zurückkehren.