Wo man in Vorarlberg sein Fernweh abstreifen kann

Schwarzenberger Gasthof Hirschen holt die Welt ins Restaurant
Schwarzenberg Das Coronavirus stellt besonders die Gastronomie und Hotellerie vor wirtschaftliche Herausforderungen – auch jetzt, da der Betrieb wieder angelaufen ist. Es hat aber auch die Wirtinnen und Wirte vor neue Aufgaben gestellt. Wie soll der Betrieb unter den Einschränkungen funktionieren, was wollen die Gäste jetzt. Was sie nicht wollen, ist dabei weit klarer: Sie wollen bei einem Restaurantbesuch nicht mit den Problemen konfrontiert werden, sie kennen sie und suchen für sich selbst nach den Monaten der Entbehrung einige unbeschwerte Stunden und vor allem ein leckeres Essen mit Freunden oder Verwandten. Dazu kommt, dass das Reisen in diesem Sommer nur mit Einschränkungen möglich ist.
Gasthaus zum Fernweh
Diese Überlegungen sind es auch, die die Gastronomen umtreiben. Einer, der eine besondere Lösung gefunden hat, die den Spaß bei den Gästen und beim eigenen Team zurückbringen, ist der Schwarzenberger Hirschenwirt Peter Fetz (die VN berichteten bereits). „Ich wollte Lebensfreude und Leichtigkeit vermitteln“, erzählt er im Gespräch. Herausgekommen ist dabei das „Gasthaus zum Fernweh“ – eine Reise um die Welt am Wirtshaustisch oder im Gastgarten.
Statt der bisherigen Speisekarte im haubengekrönten Restaurant bietet die Hirschen-Mannschaft nun Thementage an, mit fixem Speiseplan: Am Montag japanisch, am Donnerstag italienisch, am Freitag französisch, am Samstag Chefs Choice mit regionalem Schwerpunkt, am Sonntag mexikanisch. Das hat seit Eröffnung des „Gasthauses zum Fernweh“ bei den Gästen eingeschlagen. „Wir sind seit Beginn ausgebucht“, freut sich der junge Gastgeber über den Erfolg des Konzepts und betont, dass es der Anspruch des Teams sei, die regionalen Küchen auf höchstem Niveau anzubieten.
Für das japanische Menü ist Küchenchef Jonathan Burger sogar nach Wien gefahren, um mit den Köchen des befreundeten Lokals Mochi, des in Fachkreisen als bester Japaner Wiens gefeierten Lokals, die Fertigkeiten zu erlernen, außerdem brachte er von dort gleich die richtigen Würzen und Lebensmittel mit, damit die Reise ins Land der aufgehenden Sonne authentisch ist. Nun genießen die Gäste am Montag beispielsweise Tan Tan Salat vom Duroc Schwein, Biolamm vom Flötzerhof mit Masao Sauce und eine Matcha Crème Brûlée in einem fünfgängigen Menü. “Die japanische Küche mag ich besonders gerne und es gibt in Vorarlberg wenig Möglichkeit, japanisch zu essen”, so Fetz. Wie er sehen das viele Gäste, die die Möglichkeit nutzen, Landesküchen abseits der gastronomischen Klischees, die oft einreißen, wenn sie exportiert werden, kennenzulernen.
Das bringt auch neue Gäste in den alterwürdigen Hirschen, “ganz viele junge Menschen”, die, erzählt Fetz, bereit sind, die etwas höheren Preise zu bezahlen, die das kostet. Bei der Zubereitung werden, wo immer möglich, regionale Produkte verwendet, berichtet Fetz im Gespräch mit den VN. Er freut sich übrigens auch darüber, dass nicht nur das Restaurant dank Flüsterpropaganda, Medienberichten und sozialen Medien zum Hotspot wurde, sondern auch das Hotel. “Die am stärksten wachsende Gästegruppe sind derzeit die Vorarlberger, die sich bei uns eine Auszeit gönnen”.
Viva mexicana
Begonnen hat das Gasthaus zum Fernweh mit echter mexikanischer Küche, die am Sonntag unter dem Titel “Cantina Montenegro” auf die Tische kommt. Im Garten des Hirschen oder im Kaminzimmer serviert die mexikanische Köchin des Hauses Lucía die besten Tacos aus ihrem Heimatland. Dazu Mezcal-Cocktails und ein paar kühle Bier. Ein Angebot, das auch bei vielen Mexikanern in der Region Anklang findet. “Ich wußte gar nicht, dass es bei uns eine so große mexikanische Community gibt”, wundert sich Fetz. Die mexikanische Küche gilt als eine der kreativsten auf dem amerikanischen Kontinent und beeinflusst nicht nur die bei uns bekannten Texmex-Lokale, sondern Spitzenköche weltweit. Für viele der Gäste eine neue Erfahrung, die viel Spaß bereitet.
Aber auch der in Vorarlberg allgegenwärtigen italienischen Küche gewinnen die Macher im Hirschen neue Seiten ab, mit Sauerteigpizza, Bistecca di Wolfurt oder Gnocchi Verdure. Komplettiert wird das Gasthaus zum Fernweh mit französischen Köstlichkeiten und mit dem “Chefs Choice”, regionaler Küche. Das sorgt, um wieder zum Praktischen zu kommen, auch für mehr Planungssicherheit in der Küche. Wer Appetit bekommen hat, unbedingt reservieren:hotel-hirschen-bregenzerwald.at
Rezepte
Ceviche-Marinade
Für 8 Personen
250g frische Chilli, 3,25l weißer Balsamicoessig, 10 Zitronen, 8o g Salz, 15 g Pfeffer, 300 ml Wasser. Chili in Brunoises schneiden, Zitronen abreiben und auspressen. Alle Zutaten vermischen und mindestens 12 Stunden ziehen lassen.
Salsa Verde
Für 8 Personen
5 Zitronen, 40g Knoblauch, geschält, 30 g Sardellen, 2 g Chiligetrocknet, 15 g Pfeffer, 600 ml Olivenöl, 50 g Kapern
Kapern fein hacken. Zitronen abreiben und auspressen, mit allen Zutaten außer dem Olivenöl und den Kapern mixen. Olivenöl zum Schluss emulgieren, Kapern untermischen. Vor dem Servieren Petersilie Chiffonade untermischen.