Bittere Bilanz für die Tourismusbranche in Vorarlberg

Markt / 28.05.2020 • 13:00 Uhr
Bittere Bilanz für die Tourismusbranche in Vorarlberg
Die Schifffahrt, die Luftfahrt und die Autobus-Branche leiden bislang unter den strengen Coronamaßnahmen und werden auch in nächster Zeit niedrige Umsätze haben. VN/PAULITSCH

Umfrage zeigt: So hart hat Corona Gastgeber und Reisebranche im Land getroffen.

Feldkirch Autobus-, Luftfahrt- und Schifffahrtunternehmen, Reisebüros, die Hotellerie und die Gastronomie sind jene Branchen, die von der Coronakrise bis ins Mark getroffen wurden. Mehr als viele andere Branchen wurden diese Firmen in ihrer Tätigkeit eingeschränkt und das wird auch – trotz der Lockerungen, die schon erfolgt sind oder in den nächsten Tagen erfolgen – noch eine ganze Weile so bleiben. Optimisten rechnen erst für 2021 mit einer Erholung, Branchenkenner gehen davon aus, dass der Coronalockdown ihnen auch in den nächsten Jahren noch zu schaffen macht. Wenn überhaupt, denn viele sind in ihrer Existenz bedroht.

Schwere Betroffenheit

Das sehen auch die Unternehmen selbst so, wie eine  Auswertung der Wirtschaftskammer-Umfrage (die VN berichteten) in Bezug auf diese Branchen zeigt. So geben die befragten Autobus-, Luftfahrt- und Schifffahrtsunternehmen zu 52,38 Prozent an, dass sie von der Krise sehr schwer betroffen sind, weitere 23,81 Prozent sind in ihrer Tätigkeit schwer betroffen. An keinem einzigen Unternehmen ist die Krise spurlos vorbeigegangen. Noch viel dramatischer ist das Bild bei den Reisebüros: 83,87 Prozent der Vorarlberger Reisebüros sind sehr schwer betroffen, 9,68 Prozent schwer. Auch 77,48 Prozent der Gastronomiebetriebe hängen in den Seilen und sind schwer betroffen, 16,89 Prozent sehr schwer. Um Nuancen besser sehen die Hoteliers die Lage: 71,76 Prozent sind sehr schwer,   21,29 Prozent schwer betroffen.

Erste Ansprechpartner

In ihrer Not haben sich 83,21 Prozent an ihren Steuerberater gewandt, aber 67,94 Prozent suchten auch Rat und Hilfe bei der Wirtschaftskammer. An dritter Stelle (58,4 Prozent) kommt die Hausbank. Auch 79,8 Prozent der Gastronomen konsultierten ihren Steuerberater und 72,85 Prozent ihre Fachvertretung in der WKV. Die Mobilitätsanbieter berieten sich zu je 61,9 Prozent mit der Hausbank und dem Steuerberater. Bei den Reisebüros war die Wirtschaftskammer erste Anlaufstelle mit 74,19 Prozent vor dem Steuerberater mit 70,79 Prozent. Vergibt man Noten für die Berater, liegt in allen vier Branchen der Steuerberater an erster Stelle. Bei institutionellen Beratern ist die Wirtschaftskammer jeweils die Nummer zwei noch vor den Hausbanken. Rund ein Drittel der Betriebe hat Hilfe aus dem Härtefallfonds des Bundes beantragt, die meisten von ihnen haben auch Mittel aus dem Fixkostenzuschuss des Bundes beantragt. Dazu kommen Steuerstundungen und in allen Fällen die Kurzarbeit, die auch dem Arbeitsmarktservice Vorarlberg eine sehr gute Bewertung in Sachen Beratung eingebracht hat mit der Durchschnittsnote 2,3.

„Wir werden alles unternehmen, um beim Start nach der Coronakrise zu helfen.“

Hans Peter Metzler, Wirtschaftskammer-Präsident

Probleme gibt es, und das spiegelt sich auch in der Unzufriedenheit der Unternehmen wider, bei den Staatshaftungen, die von rund zwei Drittel der Reisebüros in der Umfrage auch artikuliert wurde. Auch die Mobilitätsanbieter im Reiseverkehr nennen zu 50 Prozent Probleme mit Staatshaftungen, 50 Prozent von ihnen geben an, mit der Hausbank Probleme zu haben. In Hotellerie und Gastgewerbe sind 36,36 Prozent mit der Abwicklung von Staatshaftungen unzufrieden, im Gastgewerbe allerdings nur 17,5 Prozent. Die Auszahlung war bei 17,5 Prozent der Gastronomiebetriebe Anlass zur Kritik, bei den Reisebüros bei genau einem Drittel der Antragsteller. Alle zusammen hoffen nun, dass die erste 50-Prozent-Teilzahlung des Fixkostenbeitrags des Bundes zumindest innert zehn Tagen für Liquidität sorgt – das hat Finanzminister Gernot Blümel bekanntlich bei Vorstellung versprochen. Für die Gastronomie wurde im Land ein Paket geschnürt, das den Wirtinnen und Wirten bereits vergangenen Freitag laut Vorankündigung vorgestellt werden sollte, aber bisher noch der Ausarbeitung harrt. Nun soll es in den nächsten Tagen präsentiert werden, sagt eine mit der Sache vertraute Person. Die bisherigen Hilfsangebote von Land und Wirtschaftskammer werden laut Umfrage nur spärlich in Anspruch genommen.

Die wichtigsten Ergebnisse

Autobus, Schiff, Luftfahrt

Betroffenheit (sehr schwer, schwer): 76,19 Prozent

Umsatzeinbruch (51 bis 100 Prozent): 61,91 Prozent

Hilfe: 28, 57 Prozent Härtefallfonds,   33,33 Prozent Kreditstundungen

Coronakurzarbeit: 71,43 Prozent

Unterstützung ausreichend?: 4,76 Prozent

Reisebüros

Betroffenheit  (sehr schwer, schwer): 93,95 Prozent

Umsatzeinbruch (51 bis 100 Prozent): 80,65 Prozent

Hilfe: 32,26 Prozent Härtefallfonds, 19,35 Prozent Kreditstundungen

Coronakurzarbeit: 54,84 Prozent

Unterstützung ausreichend?: 3,23 Prozent

Gastronomie

Betroffenheit  (sehr schwer, schwer): 94,37 Prozent

Umsatzeinbruch (51 bis 100 Prozent): 90,06 Prozent

Hilfe: 50,33 Prozent Härtefallfonds, 24,17 Prozent Kreditstundungen

Coronakurzarbeit: 46,36 Prozent

Unterstützung ausreichend?: 3,97 Prozent

Hotellerie

Betroffenheit  (sehr schwer, schwer): 91,99 Prozent

Umsatzeinbruch (51 bis 100 Prozent): 77,48 Prozent

Hilfe: 90,46 Prozent Härtefallfonds, 66,79 Prozent Kreditstundungen

Coronakurzarbeit: 77,10 Prozent

Unterstützung ausreichend?: 3,05 Prozent

Umfrage Wirtschaftskammer/Inquerie System