Huber Holding kämpft um weitere Finanzierung

Intensive Verhandlung mit Bankkonsortium. Gerichtliche Sanierung steht im Raum.
Götzis Seit 112 Jahren ist die Huber Tricot in Österreich für fast jeden ein Begriff für Qualitätstextilien. Die Götzner Firma, die inzwischen als Huber Holding firmiert und das Wort Tricot gegen die Marke Huber Bodywear getauscht hat, und weitere Marken wie Hanro international und HOM neben Skiny und den Stoffproduzenten Arula mit Sitz in Mäder unter ihrem Dach vereint, ist in den vergangenen Jahren zwar auch mit einem neu aufgestellten Angebot, aber auch durch mehrere Wechsel im Management aufgefallen. Seit 2017 führt Man Choong Ng, der Besitzer, das Unternehmen als CEO, seit Jänner steht ihm als CFO Michael Krauledat zur Seite.
Covid19-Finanzierung
Die wirtschaftlichen Herausforderungen sind allerdings seither nicht kleiner geworden, nun müssen außerdem die Auswirkungen der Coronakrise bewältigt werden. Das Unternehmen hat aus diesem Grund geplant, die Voraussetzung für die Covid19-Finanzierung zu schaffen, darüber verhandelt man derzeit intensiv mit den Hausbanken. Es geht um einen zweistelligen Millionenbetrag, den das Unternehmen braucht. “Sämtliche Konzerngesellschaften erfüllen die Voraussetzungen des Coronahilfsfonds der Regierung sowie der Covid19-Finanzierungsagentur des Bundes (COFAG). Es liegt kein Ausschlussgrund nach der EU-Verordung über Beihilfen für den Binnenmarkt vor.” Selbiges gelte für die Fixkostenzuschuss- wie auch die Kurzarbeitsregelungen.
Diese Aktivititäten führten bei den Mitarbeitern im Unternehmen zu großer Verunsicherung und in der Branche zu Gerüchten, die Firma befinde sich im Überlebenskampf. Es geht tatsächlich um viel bei den Verhandlungen mit dem Bankenkonsortium des Unternehmens, das in Vorarlberg 397 Mitarbeiter beschäftigt und an anderen Standorten weitere 948 Beschäftigte hat. Die Geschäftsführung von Huber bestätigt auf VN-Anfrage: “Richtig ist, dass mit den finanzierenden Banken intensive Gespräche geführt werden und die Fortsetzung der Finanzierung von Bedingungen abhängig gemacht wird, an deren Erfüllung wir arbeiten.”
Vorbereitung für Ernstfall
Im vergangenen Jahr konnte Huber den Umsatz um 0,7 Prozent auf 141 Millionen Euro steigern, zu wenig um sich zurückzulehnen. Das Management muss liefern. Selbstverständlich müsse entsprechend der Business Judgement Rule, also dem unternehmerischen Ermessensspielraum, eine Vorbereitung dafür getroffen werden, dass im Falle des Scheiterns der Finanzierung oder von betriebswirtschaftlicher Seite die gesetzlich vorgesehenen Maßnahmen getroffen werden, heißt es zu den Maßnahmen im Götzner Hauptquartier. “Dazu gehört auch die Prüfung einer gerichtlichen Sanierung”, so das Unternehmen in der Stellungnahme. Man betont, dass “die ,Behauptung, die Huber-Gruppe wird in den nächsten Tagen die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragen, unzutreffend ist”. Was der Eigentümer, die Benger Brands Limited in Hongkong, für Intentionen für die Zukunft habe, könne man nicht sagen, man weise aber darauf hin, dass “dieser schon mehrfach liquide Mittel in Millionenhöhe zugeführt hat”.
Huber Holding in Zahlen
Umsatz 2019 141 Millionen Euro (+0,7 Prozent)
Investitionen 4,6 Millionen Euro
Mitarbeiter Vorarlberg 397, an anderen Standorten 948
Export 60 Prozent
Geschäftsführung CEO Man Choong Ng, CFO Michael Krauledat