Haken zwang Liebherr-Kran in die Knie

Markt / 06.05.2020 • 21:00 Uhr
Haken zwang Liebherr-Kran in die Knie
Der Haken löste das Unglück beim Schwerbelastungstest für den Riesenkran auf der Orion 1 im Überseehafen Rostock aus. AP

Die Ursache für den spektakulären Kran-Unfall in Rostock ist gefunden.

nenzing, Rostock Es war der größte anzunehmende Unfall, der am Samstag im Überseehafen Rostock passierte und weltweit für Fernsehbilder in den Nachrichten sorgte. Beim Belastungstest für den Offshore-Schwerlastkran HLC 295000 passierte, was nie passieren dürfte – der Kran knickte in sich zusammen. Es war der größte bisher gebaute Offshorekran der Welt, ein Leuchtturmprojekt für den Hersteller, die Firma Liebherr-MCCtec GmbH, die ihren Sitz in Nenzing hat. Die Fachwelt beobachtete das Projekt sehr genau, natürlich sollten dieser Premiere weitere Aufträge folgen. Der Imageschaden war riesig, der materielle Schaden wurde von der Polizei auf über 50 Millionen Euro taxiert. Zwölf Personen, die sich bei dem Test im Führerhaus des Krans aufgehalten haben, wurden verletzt, zwei von ihnen wurden im Krankenhaus behandelt.

Unfallursache ermittelt

Nun haben die Untersuchungen der Unfallursache zu ersten Erkenntnissen geführt. Zum jetzigen Zeitpunkt des Ermittlungsstandes gehen die zuständigen Behörden und Experten einhellig von einem gebrochenen Kran-Haken als Unfallursache aus. Warum der Haken der Belastung nicht standhalten konnte, ist in der aktuellen Phase der Ermittlungen aber noch unklar. Die heute bekannten Fakten deuten darauf hin, dass sich der Vorfall bei einer Belastung von rund 200 Tonnen ereignete und eine Kettenreaktion auslöste, die zum Unfall führte. Liebherr-Sprecher Wolfgang Pfister gegenüber den VN: “Die Entwicklung und Herstellung des Kran-Hakens wurde von einem externen Lieferanten zugekauft.” Ganz wichtig für die Ingenieure und Mitarbeiter im Liebherr-Werk für maritime Krane in Rostock: “Ein Konstruktions- sowie ein Produktionsfehler des Liebherr-Krans kann somit ausgeschlossen werden.”

Der Überlasttest für den Offshore-Schwerlastkran HLC 295000 wurde für einen Lastfall von 5500 Tonnen ausgelegt. Der Hub hätte über das Anheben einer Barge ausgeführt werden sollen. Beim Überlasttest handelt es sich um einen branchenüblichen Vorgang, bei dem der Kran auf seine maximale Traglast getestet wird.