WIFO-Studie: So wirkt sich Coronakrise auf Vorarlbergs Wirtschaft aus

Markt / 09.04.2020 • 18:00 Uhr
WIFO-Studie: So wirkt sich Coronakrise auf Vorarlbergs Wirtschaft aus
In Vorarlberg ist der produzierende Sektor dominierend, während in anderen Bundesländern Branchen dominieren, die von der Krise mit voller Wucht getroffen wurden. (Symbolbild) FA

WIFO-Bundesländervergleich: Vorarlberg kommt nach Oberösterreich noch am glimpflichsten weg.

Wien, Schwarzach Von der Coronakrise sind so gut wie alle Branchen betroffen – doch es gibt durchaus Ausnahmen, wie die aktuelle Studie des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitutes (WIFO) zeigt, die sowohl Branchen als auch Bundesländer anhand der Beschäftigtenstruktur analysiert hat. Am meisten leidet laut dieser Ist-Analyse die Wirtschaft in Tirol und Salzburg unter der derzeitigen Situation. Erfreulich: Die Unternehmen und Mitarbeiter in Vorarlberg sind zwar ebenfalls schwer getroffen, doch nicht ganz in dem Maße wie in anderen Bundesländern.

Branchenstruktur macht´s aus

Das liegt in diesem Fall nicht etwa daran, dass die Vorarlberger tüchtiger sind, sondern an der Branchenstruktur im Land, die einen Schwerpunkt auf den produzierenden Berufen hat und nicht – wie in Tirol und Salzburg – einen so hohen Anteil an Erwerbstätigen im Tourismus, erklärt Studienautorin Julia Bachtrögler im Gespräch mit den VN. Dennoch: Auch in Vorarlberg sind 10,3 Prozent der Erwerbstätigen (in dem untersuchten Fall Arbeitnehmer und Arbeitgeber) von Corona besonders stark betroffen, etwas mehr als im Bundesschnitt mit 9,9 Prozent. In Tirol sind das 16,4 Prozent – eben deshalb, weil in unserem Nachbarbundesland Tourismus im Branchenvergleich erheblich wichtiger ist.

„Vorarlberg ist von der COVID-19-Krisenphase leicht unterdurchschnittlich betroffen.“

Julia Bachtrögler, Ökonomin WIFO, Studienautorin

Fast ein Fünftel der Vorarlberger Erwerbstätigen (19,2 Prozent) sind in ihrer Tätigkeit nicht betroffen, moderat betroffen sind laut der Untersuchung 14,7 Prozent, macht zusammen etwas mehr als ein Drittel (33,9 Prozent) aus, das sind – auf Basis der letzten Erhebung aller Erwerbstätigen – 69.000 Menschen. Was den Umkehrschluss zulässt, dass zwei Drittel oder 135.000 der Arbeitnehmer und -geber sehr stark, stark bzw. erheblich mit den Auswirkungen der Krise zu kämpfen haben. Das Burgenland hat übrigens unter den Bundesländern mit 36,2 Prozent den höchsten Anteil an Branchen, die nicht oder nur moderat von der Krise betroffen sind. Dies deshalb, weil dort die öffentliche Verwaltung besonders stark ist und mit Energieversorgung, Land- und Bauwirtschaft Spezialisierungsvorteile in weiteren nur schwach betroffenen Branchengruppen stark sind. Dahinter folgt allerdings gleich Vorarlberg mit einem deutlich über dem Bundesschnitt liegenden Anteil im Sektor „Herstellung von Waren” (Vorarlberg 21,6 Prozent, Österreich 13,7 Prozent) – auch wenn das ein schwacher Trost sein mag für jene, die sich unter erschwerten Bedingungen durch die Krise kämpfen.

Gesundheitsbereich boomt

„Damit sind nach unseren Ergebnissen Oberösterreich und abgeschwächt Niederösterreich bzw. Vorarlberg von der aktuellen COVID-19-Krisenphase leicht unterdurchschnittlich betroffen, während Tirol und Salzburg von der Krise ökonomisch verstärkt erfasst sind“, so Bachtrögler. Eine Prognose, ob das auch weiterhin so bleibt, will und kann sie allerdings nicht abgeben. Zu schnell könne sich das derzeit ändern. Aber auf der Basis dieser Analyse werde man die Entwicklung weiterverfolgen.

Die am stärksten betroffene Branche ist die Gastronomie- und Freizeitwirtschaft, die auf der Skala von 1 (nicht betroffen) bis 5 (sehr stark betroffen) eine glatte Fünf bekommt. Eine Eins gibt es österreichweit in zwei Berufssektoren, nämlich im Gesundheitsbereich, der derzeit mit aller Kraft und mehr Mitarbeitern als üblich gegen das Virus kämpft, und in der Verwaltung, die voll im Einsatz ist, um Maßnahmen und Hilfen zu managen.

Wie wurde analysiert?

Für die Einschätzung der Branchenbetroffenheit wurden vom WIFO vielfältige Informationsquellen genutzt – darunter empirische Indikatoren (so vorhanden), sektorale Informationen aus dem kürzlich veröffentlichten WIFO-Konjunkturszenario, selektive Interviews, Medieninformationen sowie qualitative Einschätzungen durch einen breiten Expertenkreis im WIFO. Für die Übertragung dieser Einschätzung auf die regionale Wirtschaftsstruktur der einzelnen Bundesländer wurden die Anteile der selbstständigen und unselbstständigen Erwerbstätigen (nach VGR, 2017) in den einzelnen Branchen und Bundesländern verwendet.