Nicht alle unterm Corona-Rettungsschirm

Hilfsmaßnahmen greifen offenbar nicht bei allen Selbstständigen.
Schwarzach „Wir lassen niemanden zurück“, versprach Wirtschaftskammer-Präsident Hans Peter Metzler bei der Präsentation erster Maßnahmen, mit welchen die Unternehmen vor der Infizierung durch Corona geschützt werden sollten. Am Freitag wurde zudem ein Schutzschild der Sozialpartner und des Landes vorgestellt, der erste Hilfe leisten soll, wenn Unternehmen in Bedrängnis geraten. Die Hilfen werden dringendst gebraucht, auch die Unterstützung durch die Hausbanken der Firmen ist eine der Maßnahmen in diesem Paket. Doch so einfach ist es gar nicht, an diese Unterstützung zu kommen. Zumal manche Berufsgruppen in der Eile vergessen wurden – oder Bankbeamte von ihrem Management nicht entsprechend instruiert wurden.
Man habe sich zuerst an die Hausbank gewandt, schildert Claudia Fleckenstein von Spannring GmbH aus St. Anton i. M. ihre Erfahrungen. Ziel war es, neben Stundung der Tilgungssätze (wurde gewährt) auch um Erweiterung (Spannring EPU) bzw. Einrichtung (Spannring GmbH) einer Rahmenvereinbarung zu ersuchen. Das gleichzeitige Ersuchen um Zinsstundung wurde vom Bankbetreuer abgelehnt. Jetzt hofft man in St. Anton, dass Wirtschaftskammer und Landesregierung sowie die Hausbank doch noch das für die Firma existenzielle Anliegen unterstützen.
„Wir sind durch den Stopp der Möglichkeiten der Berufsausübung besonders betroffen.“
Hanno Dönz, Obmann Vorarlberger Bergführer
Hilfe erhoffen sich auch die Bergführer. Der Vorarlberger Bergführerverband mit rund 850 Mitgliedern sieht sich überhaupt vergessen, wie der Obmann des Berufsverbandes, Hanno Dönz, berichtet: „Wir sind ganz besonders durch den Stopp der Möglichkeiten der Berufsausübung betroffen.“ Jeder Einzelne sei ein EPU. Als gewerbefreie „Neue Selbstständige“ seien sie allerdings keine Wirtschaftskammer-Mitglieder und man könne auch keine Hilfe durch das AMS erwarten. „Wir hoffen deshalb auf die Unterstützung des Landes Vorarlberg, das beim Wirtschaftsministerium auf unsere Anliegen aufmerksam machen kann“, so Dönz.
Shiatsupraktikerin Monika Sandholzer fühlt sich in ihren Existenzkampf alleine gelassen. Jemand, der den Staat keinen Cent koste, eine Pension von 650 Euro beziehe und den Rest mit ihrer bisher wirtschaftlich stabilen Praxis erarbeite, könne nicht einmal einen Antrag stellen, um vielleicht für 500-1000 Euro aus dem „Geschenke“-Topf der Regierung zu bekommen, “den wir alle ja selber gefüllt haben!” Bei der WKV und beim Land sage man laut Sandholzer: Pech gehabt, wir haben uns auch mehr erwartet – das hat die Regierung so beschlossen. Benachteiligt seien auch bei diesen Hilfsmaßnahmen “diejenigen, die sich am untersten Einkommensrand durchschlagen müssen”, ist die Kleinstunternehmerin verbittert.