Unternehmer und Mitarbeiter gemeinsam gegen Coronavirus

Markt / 19.03.2020 • 23:00 Uhr
Unternehmer und Mitarbeiter gemeinsam gegen Coronavirus
Bei Mahle König in Rankweil stehen am Montag alle Maschinen still. VN/PAULITSCH

Umgang mit Corona: Kurzarbeit für viele Option, massive Sicherheitsvorkehrungen.

Schwarzach Mit Mahle König in Rankweil schließt ein weiterer Industriebetrieb vorläufig die Produktion. Rund 400 Mitarbeiter werden ab Montag für vorerst zwei Wochen zu Hause bleiben. Danach folgt Kurzarbeit. „Dies gibt uns die Chance, die Mitarbeiter zu schützen und nach hoffentlich baldigem Rückgang der Infektionen in den Normalbetrieb zurückzukehren“, so Geschäftsführer Walter Mayer. Die Vereinbarung der Kurzarbeit sei eine gemeinsame Entscheidung der Geschäftsführung und der Belegschaftsvertretung. „Das neue Kurzarbeitsmodell gibt uns die Möglichkeit, flexibel zu sein und gleichzeitig die Arbeitsplätze zu erhalten.”

Das sehen auch immer mehr Firmen so, bis gestern haben sich bereits rund 1000 Unternehmen beim AMS nach den Voraussetzungen erkundigt, ab heute, Freitag, sind die endgültigen Informationen unter www.ams.at zu finden, berichtet AMS-Geschäftsführer Bernhard Bereuter am Donnerstagnachmittag. Waren es zu Wochenbeginn vor allem die Tourismus- und Gastronomie-Branche sowie Messebauer, so kämen die Anfragen inzwischen aus allen Branchen. Wenn große Betriebe wie Blum die Produktion herunterfahren, dann ziehe das auch weite Kreise und betreffe Zulieferer sowie die Logistik.

Eine Blitzumfrage der Industriellenvereinigung kann auf drei Hauptaussagen zusammengefasst werden: Auch wenn vereinzelte Betriebe ab Montag auf Minimal-/Notbetrieb umstellen, gibt es rund drei Viertel der Rückmeldungen, die aussagen, dass die Produktion teilweise oder gänzlich weitergefahren werden kann. Das Kurzarbeitsmodell ist mittlerweile bei ca. zwei Dritteln der Betriebe ein Thema. Eine tendenziell gute Situation gibt es in der Produktion von Lebensmitteln, Verpackungen und Elektronik. Verhaltener ist die Situation im Bereich Maschinen/Metall und Textil. Stark betroffen ist die Bauwirtschaft. Auch im Automotive-Sektor stellt man sich auf negative Entwicklungen ein.

Für IV-Präsident Martin Ohneberg steht trotzdem fest: „Wir müssen die Produktion so gut es geht aufrechterhalten.“ Und so gehen die Firmen mit der Herausforderung um (siehe links).

Hydro Nenzing

Nenzing Oberste Priorität bei Hydro in Nenzing und in den anderen Werken des Konzerns ist, die Ausbreitung des Virus unter den Mitarbeitern und Geschäftspartnern zu vermeiden. Unsere Produktion läuft unter Beachtung aller derzeit bekannten Auflagen, Empfehlungen etc. im normalen Betrieb weiter. Infolgedessen haben wir Maßnahmen ergriffen und Schritte eingeführt, die unsere Mitarbeiter schützen sollen: u. a. Reisebeschränkungen für Geschäftsreisen, Richtlinien für die Begrüßungen, Treffen und Meetings, Verbot für Besuche von externen Besuchern (nur in Ausnahmefällen), Hygienemaßnahmen , Aufteilung und räumliche Trennung von wichtigen Funktionen innerhalb des Werks, Home-Office- Regelungen wo möglich, strikte Abstandsregelung in der Produktion, Umstellung von Dreischicht auf Zweischichtbetrieb mit zwei Stunden Pause zwischen den einzelnen Schichten. Mitarbeiter kommen so nicht in Kontakt und es bleibt Zeit für die Desinfektion der Sozialräume. Unterschiedliche und erweiterte Pausenregelungen der Schichten vor Ort, ebenso unterschiedliche Pausenräume, Mitarbeiter, die krank oder in Quarantäne sind, müssen zwingend zu Hause bleiben, Mitarbeiter, die Kinder betreuen müssen oder pflegebedürftige Angehörige haben, können zu Hause bleiben.

Hefel Immobiliengruppe

Lauterach Für die Hefel Immobiliengruppe geht es an erster Stelle um den Schutz der Mitarbeiter und um die Verantwortung gegenüber Kunden und Partnerunternehmen. Die Bauarbeiten sind bereits seit Montag eingestellt und die Büros geschlossen. Innerhalb von zwei Tagen wurden 55 Arbeitsplätze der Büromitarbeiter auf Home-Office umgestellt. Am Sonntag wurde ein Krisenstab mit Geschäftsführung und Führungskräften installiert. Federführend mit Graziella, Christian und Wilfried Hefel werden täglich die aktuellen Entwicklungen besprochen und Maßnahmen festgelegt. „All das passiert vor dem Hintergrund, was es von Regierungs- und behördlicher Seite Neues gibt. Darauf richten wir uns aus.” Graziella Hefel: „Eine große Herausforderung ist in dieser Situation die Organisation der Zusammenarbeit, aber hier profitieren wir von der hohen digitalen Durchdringung unserer Arbeitsabläufe.”

Jeweils am Abend werden die Mitarbeiter über E-Mail und Social-Media-Gruppen informiert und wieder auf Stand gebracht. Sie alle sind in hohem Maße engagiert, jeder Einzelne trägt seinen Teil dazu bei, in dieser schwierigen Phase unterstützend tätig zu sein. Die Umstellung vom Analog- zum Digitalbetrieb – und das quasi über Nacht – war für Hefel und die damit verbundenen Unternehmen deshalb möglich, weil man in Lauterach seit mehr als 20 Jahren auf Digitalisierung setzt.