Corona und Bauwirtschaft: „Am Donnerstag stehen die Baustellen still“

Hilti & Jehle-Chef Alexander Stroppa fordert die Einstellung aller Bauarbeiten in Vorarlberg.
Schwarzach Der Feldkircher Baumeister und Geschäftsführer der Baufirma Hilti & Jehle, Alexander Stroppa, hat eine klare Einstellung zu den derzeit diskutierten Maßnahmen im Baugewerbe, egal, wie nun gesamtösterreichisch entschieden wird. Er appelliert an alle Mitbewerber, die Tätigkeit einzustellen. Es sei schlicht und einfach nicht möglich, die Mitarbeiter wirksam zu schützen, argumentiert der Geschäftsführer eines der größten Vorarlberger Bauunternehmen. „Die Mitarbeiter fahren zusammen im Kleinbus zur Baustelle, weil wir nicht jedem ein Auto zur Verfügung stellen können. Bei Betonier- und anderen Tätigkeiten kann man den Mindestabstand nicht einhalten, auch nicht auf einem Gerüst mit 80 Zentimeter Breite.“ Und schließlich komme dazu, dass sowohl die Lieferketten schon bald nicht mehr funktionieren und andere Gewerke, die am Bau tätig sind, ihre Arbeit schon eingestellt haben. Dann könne man schlicht und einfach einfach nicht mehr arbeiten.
Tragweite nicht erkannt
Es sei vorbildlich, dass die Asfinag bereits die Arbeiten auf ihren Baustellen eingestellt habe, das erwarte er auch von anderen großen Auftraggebern, etwa den ÖBB und vor allem dem Land Vorarlberg. „Ich habe vermisst, dass das Land diesen Schritt noch nicht getan hat“, kritisiert er. An andere Bauherren gerichtet: „Die Tragweite der Epidemie ist wohl noch nicht bei allen angekommen, auch nicht bei Entscheidungsträgern“, es gehe jetzt darum, gemeinsam alles zu unternehmen, um die Menschen zu schützen und das Virus einzudämmen und doch gebe es Bauherren, die null Verständnis dafür aufbringen. Wie zum Beweis flatterte gestern Nachmittag ein Schreiben des Bauträgers Zima auf die Tische zahlreicher Unternehmen: Zima pocht auf Vertragseinhaltung und droht den Handwerkern, die die Aufträge nicht einhalten, mit einer Pönale.” Zima-Sprecher Markus Hämmerle bestätigt das Schreiben und bittet um Verständnis: “Wir sind Verpflichtungen gegenüber den Kunden eingegangen, die wir erfüllen müssen. Es geht um die rechtliche Absicherung des Unternehmens.” Derzeit könne gearbeitet werden, es gebe keine gegenteiligen Vorschriften, so Hämmerle. Zima wäre es auch lieber, wenn es eine klare Regelung durch Landes- oder Bundesregierung gäbe. “Daran werden wir uns zu hundert Prozent halten.”
„Ich habe vermisst, dass das Land bei den eigenen Projekten einen Stopp macht.“
Alexander Stroppa, Baumeister, GF Hilti & Jehle
Bei der Gewerkschaft hat man klarere Vorstellungen und fordert die Regierung auf, alle Baustellen zu schließen, verweist Stroppa auf ein Schreiben der Baugewerkschaft. Auch die Bundesinnung hat ihren Mitgliedern inzwischen eine Handlungsanleitung zur Verfügung gestellt, die auf die verschiedenen Aspekte und deren Rechtsfolgen hinweisen. Doch ganz klar ist die Sache nach wie vor nicht.
Stroppa wisse aus zahlreichen Telefonaten mit anderen Baufirmen, dass diese den Betrieb heute, Mittwoch, einstellen, wenn auch viele zurückhaltend sind und damit nicht an die Öffentlichkeit gehen. „Die Unsicherheit ist groß“, so Stroppa, dennoch schätzt er, dass rund 80 Prozent der Branchenunternehmen für die Einstellung der Bauarbeiten seien. Es gibt auch eine Präzisierung zum Thema: Bei der Arbeit im Baugewerbe sei es wichtig, grundsätzliche Maßnahmen einzuhalten, sagt der Mediziner und Public-Health-Experte Armin Fidler. „Also eine gewisse Distanz zu anderen, Schutzhandschuhe tragen und aufpassen, dass man sich nicht ins Gesicht fährt.“ So könne das Ansteckungsrisiko möglichst klein gehalten werden.