Corona: Land macht alle seine Baustellen dicht

Land Vorarlberg stellt öffentlichen Bau komplett ein. Wenn Branche zum erliegen kommt, ist auch mit privatem Bau Schluss.
Schwarzach In der Baubranche geht es um viel Geld. Auch für die Firmen geht es dabei um viel Geld, denn sind sie mit ihren Arbeiten in Verzug, werden Strafzahlungen, die sogenannte Pönale, fällig. Und solange es keinen Baustopp gibt, egal wie sich die Lage darstellt, kann das Firmen ruinieren. Gerade die kleineren Gewerke, die vielen Handwerksbetriebe, sind deshalb bislang Getriebene. Nun hat das Land Vorarlberg für alle Baustellen, die vom Land beauftragt sind, die Notbremse gezogen. Sowohl Hoch- wie Tiefbaubaustellen werden nur noch gesichert, dann ist Pause. “Nur zwei Vogewosi-Siedlungen werden noch soweit hergerichtet, dass die Mieter auch einziehen können. Die Menschen stehen sonst auf der Straße”, so Landeshauptmann Wallner im Gespräch mit den VN.
Baustellen runterfahren
„Außer Sicherungsmaßnahmen passiert nichts mehr“, versichert Wallner. Wirtschaftslandesrat Marco Tittler und er haben schon seit Tagen Gespräche mit den zuständigen Stellen und den Baufirmen geführt, die zeigten, dass dies die einzig richtige Maßnahme ist. Bereits am Mittwoch hat Baumeister Alexander Stroppa, Geschäftsführer von Hilti & Jehle, ein klares Wort vom Land gefordert, weitere Baufirmen haben den Betrieb ebenfalls schon eingestellt. Auch Installateure, etwa die Firma Dorf-Installateur als eines der ersten Unternehmen, und Elektriker haben diesen Schritt getan, ohne Absicherung durch den Gesetzgeber und auf die Gefahr hin, hohe Zahlungen leisten zu müssen.
Betriebe nicht alleine lassen
Wirtschaftslandesrat Tittler ist sich sicher, dass auch die letzten Baustellen zeitnah ruhen werden. Zum einen seien die Vorschriften so klar, dass sie am Bau nur in ganz wenigen Fällen umgesetzt werden können, zum anderen komme auch die Lieferkette zum Erliegen, wenn die Gewerke nicht mehr Hand in Hand arbeiten können bzw. Baumaterial nicht mehr geliefert werden kann. Was allerdings noch einige Zeit dauern könnte, wie Innungsmeister Peter Keckeis feststellt, der vor allem eines gewährleistet haben will: “Wir brauchen Klarheit, unsere Firmen müssen wissen, dass sie nicht alleine gelassen werden.”
Gerade für kleine Firmen geht es um die Existenz. Müssen Löhne weiterbezahlt werden, was ist mit Pönalen? Durch das Corona-Gesetz, so Landeshauptmann Wallner, sind die Ansprüche der Firmen gesichert, die Kurzarbeitsregelung ermögliche es auch der Bauwirtschaft, die Mitarbeiter zu halten und entsprechend zu entlohnen. Dass die Landesregierung diesen Schritt gemacht habe, sei gut, “noch lieber wäre mir aber, dass das bundesweit geregelt ist”, so Keckeis, der damit auf die Unsicherheit bei der Auslegung der Vorschriften hinweist, die in den vergangenen Tagen von Bregenz bis Wien herrschte. Auch heute noch herrscht im Bau sowie im Baunebengewerbe höchste Nervosität bei diesem Thema.
Ein Baumeister, der nicht namentlich genannt werden möchte, hat die Unsicherheit auch von außen gespürt. Wenn man zur Baustelle fahre, ernte man kritische bis böse Blicke. Auch die Mitarbeiter verstehen nicht alle, warum sie arbeiten müssen. “Die meinen zuweilen, wir seien profitgierig, dabei geht es um unser wirtschaftliches Überleben, wenn die Rechtslage nicht klar ist.” So wie er, erzählt er, denken viele in der Branche, er habe mit zahlreichen Kollegen gesprochen, die nicht nur vom Coronavirus Respekt haben, sondern auch davor, dass ihre Firma infiziert wird.
“Das war die einzig richtige Entscheidung”, sagt auch Alexander Stroppa. Es sei das einzig Richtige, die Bauarbeiten einzustellen. Auch er hat viele Rückmeldungen auf seinen Vorstoß. Das zeige auch die Zahl der Betriebe, die die Arbeiten schon eingestellt haben. Nicht alle waren positiv, berichtet er, doch derzeit, stellt Stroppa fest, “liegen die Nerven blank”. Nach großen Bauunternehmen aus dem Land hat am Mittwoch auch Österreichs größtes Bauunternehmen, die Strabag, die Arbeiten eingestellt.