Für Simon Bleil ist die Wahrheit das neue große Kaufmotiv einer ganzen Generation

Markt / 07.04.2019 • 21:15 Uhr
Für Simon Bleil ist die Wahrheit das neue große Kaufmotiv einer ganzen Generation
Simon Bleil vom Designbüro Great.

Unternehmer Simon Bleil über den Unterschied zwischen Werbung und Design.

Bregenz Simon Bleil (40) wollte nach seinem Studium der Politikwissenschaften in Innsbruck eigentlich nach Hamburg gehen, um dort als Journalist zu arbeiten. Nach Hamburg ging seine Reise dann zwar, jedoch nicht zu einer Zeitung. Der Bregenzer nahm an einem Texterwettbewerb teil, gewann diesen und konnte sich daraufhin eine Werbeagentur als Arbeitgeber aussuchen. Es wurde Scholz & Friends in Hamburg. Später führte ihn sein Weg nach Wien zu Jung von Matt. „Mir war aber immer klar, wenn ich das Handwerk gelernt habe, komme ich wieder zurück nach Vorarlberg.“ Gesagt, getan. Vor neun Jahren gründete er zusammen mit Raphael Drechsel die Agentur Great mit Büros in Bregenz und Wien. “In der Gestaltung gab es zu viele Kompromisse. Wir wollten wichtige Inhalte mit angemessener Form zusammenwerfen, also den sprachlichen und visuellen Zugang vermischen”, sagt Bleil über das Motiv.

Fokus auf Design

So weit, so gut. Drei Jahre nach der Gründung standen der Texter und der Gestalter allerdings am Scheideweg. „Wir haben Design und Werbung gemacht und haben uns dann letztlich entschieden, uns rein auf das Design zu konzentrieren. Im Nachhinein die goldrichtige Entscheidung“, sagt der Unternehmer.

Aber worin liegt denn der Unterschied zwischen einer Werbeagentur und einem Designbüro, das sich auf Markenbildung spezialisiert hat? Eine Frage, die sich Simon Bleil oft gestellt und nie losgelassen hat. „Werbung verkauft, Design verkörpert“, so seine Antwort.

Die Werbebranche habe sich in den Jahren massiv geändert. „Die klassische Werbung konzentriert sich zu sehr auf die Zielgruppe und darauf, was bei dieser ankommen soll, und zu wenig auf das, was wirklich in den Unternehmen steckt. Damit hat Werbung eher ein Glaubwürdigkeitsproblem“, sagt Bleil. Dabei seien die Konsumenten gerade in Zeiten von Dieselskandal und fake news mehr denn je auf der Suche nach der Wahrheit. „Wahrheit ist das neue große Kaufmotiv einer ganzen Generation“, ist Bleil überzeugt.

Klassische Werbebotschaften mit ihren Superlativen wiederum seien überholt. Wer heute ein schlechtes Produkt bewerbe, werde schnell durch die über Social Media vernetzte und organisierte Kritik der Konsumenten entlarvt. “Wer als unglaubwürdig wahrgenommen wird, verspielt seine Chance am Markt”, ist der Bregenzer überzeugt.

Weg von Werbesprüchen

Wer bei den Menschen also nachhaltig landen will, müsse aufhören, Werbesprüche zu klopfen, so seine Botschaft. Nachhaltiges Design konzentriere sich indes nach innen. „Jedes Unternehmen und jedes Produkt hat eine eigene Persönlichkeit. Unternehmen sollten sich heute deshalb mehr denn je darauf konzentrieren, echte oder gegebenenfalls neue Stärken zu finden und diese glaubwürdig zu verkörpern“, so Bleil über die Kultur der Echtheit und der Authentizität. Wenn man sich selbst verkörpere, dann brauche es in der Kommunikation auch keine andere Sprache oder eine eigene Sprache für die Jugend. „Wir schauen uns die Zielgruppe nicht detailliert an. Die Marke gibt die Logik vor, nicht die Zielgruppe“, so der 40-Jährige.

Von den Kunden des Designbüros – große Konzerne, kleine Handwerksbetriebe, Banken oder Kunsthäuser – bekomme man trotz der nicht alltäglichen Herangehensweise viel Vertrauen. „Wir sind begeistert, wie offen die Firmen für unsere Arbeit sind. Es gibt eine hohe Wertschätzung gegenüber dem Handwerk und Vorarlberg ist von Kommunikation auch noch nicht gesättigt“, sagt Bleil.

Ehrlichkeit statt Werbung

Die klassische Werbung, wie wir sie kennen, sei ein überholtes Kommunikationsmodell und spiele seiner Meinung nach in naher Zukunft keine große Rolle mehr. „Aber die Ehrlichkeit bleibt beständig wichtig. Das lohnt sich letztlich auch für die Unternehmen. Denn es ist ein Kraftakt, so zu tun als ob, und oft ist man gefangen darin, ein anderes Image aufbauen zu wollen.“

Ob jedes Unternehmen etwas verkörpert? „Ja“, sagt Bleil. Viele Firmen seien allein aufgrund ihres Fleißes und Ehrgeizes ehrlich und integer. Das könne man gut nach außen tragen. Kommunikation müsse nicht produktbezogen sein. Auch gebe es viele tolle Mitarbeiter in den Firmen, die sich nicht verstecken müssen, Persönlichkeiten in den einzelnen Abteilungen und Vorbilder. Das sei, so der Unternehmer, neben dem Know-how ein wichtiger Wert, der nach außen strahlen kann.