Holger Hülsken: Warum Sonderhoff über die Qualität und nicht den Preis verkauft

Der gebürtige Deutsche leitet die Geschicke im Dornbirner Unternehmen.
Dornbirn Holger Hülsken (52) ist Geschäftsführer von Sonderhoff Engineering, Spezialist für Dosieranlagen. Im Interview spricht er über die Ausrichtung, weitere Wachstumspotenziale und die Auswirkungen der Übernahme durch den Henkel-Konzern.
Sonderhoff Engineering entwickelt und fertigt Dosieranlagen und Automationssysteme zum Dichtungsschäumen, Kleben und Vergießen. Was kann sich ein Laie darunter vorstellen?
Wir sind Hersteller von Misch- und Dosieranlagen für den automatisierten Materialauftrag auf industrielle Bauteile. Die größte Branche bei uns ist der Automotivebereich. Hier kommen unsere Schaum- und Klebesysteme mit Zwei-Komponentensystemen mit Polyurethan oder Silicon zum Einsatz. Zudem sind wir in der Filterindustrie tätig, wo bei den eingeklebten Filtern, der Klebeprozess von uns ist. In der Verpackungsindustrie kommen unsere Anlagen zum Einsatz, wenn beispielsweise in Fässern oder 30-Liter-Containern im Deckel die Dichtung reingeschäumt wird. Zudem sind wir auch Lohnfertiger.
Wie hoch ist denn der Innovationsdruck in ihrer Branche?
Es gibt viele neue Technologien. 3D-Druck beispielsweise oder in der Beschichtung. Im Automotivebereich betrifft das die digitale Verklebung oder Touchscreens, die bestimmte Verfahren verlangen. Zudem gehen wir auch in ganz neue Bereiche rein, unter anderem in die Schuhbranche.
Wie sieht die Branche gesamt aus? Wie ist der Mitbewerb aufgestellt?
Wir sind froh, einen gesunden Mitbewerb zu haben. Daran können wir uns messen. Mit unserer Produktpalette bewegen wir uns weltweit unter den ersten fünf. Es gibt auch neue Wettbewerber, die aus China oder Taiwan kommen. Damit vergleichen wir uns aber nicht. Wir sind lieber ein bisschen teurer, denn letztendlich verkaufen wir unsere Maschinen nicht über den Preis, sondern über das gute Produkt, den Service und kurze Reaktionszeiten. Insgesamt sollen dadurch die Wartungskosten möglichst gering gehalten werden. Somit kann man mit einer Maschine bei entsprechender Sorgfalt 15 Jahre lang arbeiten.
Die Sonderhoff-Gruppe wurde 2017 von Henkel übernommen. Wie hat sich das auf die Firma ausgewirkt?
Die Mitarbeiter machen sich natürlich Gedanken. Die Frage ist immer, zu welchen Veränderungen es dadurch kommt. Wir haben das Prinzip „people first“, also die Menschen zuerst. Wir haben natürlich stramme Pläne und werden am Erfolg gemessen, aber es ist wichtig, dass es in Summe menschlich zugeht und das gelebt wird. Wichtig für uns war auch, dass wir unsere Flexibilität und die schnelle Reaktionszeit beibehalten. Natürlich werden Strukturen angepasst. Das betrifft beispielsweise das SAP-System. Es ist ein Prozess der Schritt für Schritt erfolgt und zwei, drei Jahre braucht. Ich bin überzeugt, dass sich das positiv entwickeln wird. Langfristig war die Übernahme für alle Mitarbeiter in der Gruppe wichtig. Sie haben durch die Zugehörigkeit zum Henkel-Konzern auch die Möglichkeit, sich weltweit weiterzubilden und weiterzuentwickeln. Das geht viel einfacher als bei uns im Mittelstand.
Wie kam Sonderhoff eigentlich aus Köln nach Vorarlberg?
Das ist über 20 Jahre her. Sonderhoff ist eigentlich ein Chemieunternehmen. Die Brüder Westhoff wollten die Firma weiter ausbauen. Dabei gab es eine Zusammenarbeit mit dem Maschinenlieferanten Spül (später EDF) in Hörbranz. Als die Firma vor der Insolvenz stand, gab es den Entschluss zum Kauf. Somit konnte Sonderhoff mit Maschine und Material alles aus einer Hand anbieten.
Sie haben 2017 den neuen Standort in Dornbirn bezogen, nutzen aber den alten Standort in Hörbranz weiter? Was wird dort hergestellt?
In Hörbranz ist genauso wie auch an den Standorten USA und China die Lohnschäumung angesiedelt. Das Geschäft wollen wir langfristig weiter ausbauen. Es gibt gewisse Standorte, wo es sich lohnt. Man kann dem Kunden alles bieten, das komplette Programm, und das ist für uns wichtig.
Welche Pläne verfolgen Sie künftig mit Sonderhoff?
Ich sehe bei Sonderhoff eine starke Entwicklung, auch durch die neuen Synergien durch Henkel. Wichtig war uns immer, nicht zu schnell zu wachsen. Das ist nicht gut. Denn aktuell muss man auch ein Auge auf die mögliche Rezession im dritten, vierten Quartal halten. Darum versuchen wir uns auch breit aufgefächert in jeder Industrie zu platzieren. Wenn es in der Automobilindustrie nicht so gut läuft, können wir das in der Verpackungsbranche oder im Filterbereich abfedern. Wir sind insgesamt relativ konservativ, verfolgen aber strategisch ausgerichtet unsere Märkte und Spezialausrichtungen. Deshalb haben wir bislang jede Hürde glimpflich überschritten und konnten kontinuierlich an unserem Wachstum arbeiten. Wichtig ist auch, zum richtigen Zeitpunkt zu investieren. Unseren früheren Gesellschafter haben viel reinvestiert und so wird das auch bei Henkel gehandhabt.
Und wie sehen Sie die Fachkräftesituation?
Auch wir tun uns schwer. Wir könnten viel mehr Fachkräfte einstellen. Maschinenbauer, Buchhalter oder Programmierer genauso wie Mitarbeiter, die im Service weltweit für uns unterwegs sind. Die Arbeitslosigkeit ist auf niedrigem Niveau und wenn einer das Unternehmen verlassen möchte, marschiert er raus und hat sofort wieder einen Job. Man muss also viel für seine Mitarbeiter tun und ihnen ein gutes Arbeitsumfeld und Benefits bieten. Da haben wir einiges gemacht, was gut angenommen wurde und was wichtig ist.