Politischer Machtwechsel mit unüblichen Methoden

Menschenmasse.vn/Paulitsch
Die neue Spielzeit im
Theater Kosmos startet mit dem Stück „Warten
auf Tränengas“.
20 Uhr, theater kosmos, bregenz Erst sind es nur ein paar Menschen, die sich vor dem Regierungssitz des Präsidenten versammeln. Nach und nach werden es mehr und immer mehr. Schweigend stehen sie da und richten ihren Blick auf das Regierungsgebäude. Als wollten sie mit der Kraft ihrer Gedanken die Glasfassade sprengen. Sie haben keine Parolen mitgebracht und keine Schilder. Und vor allem suchen sie kein Gespräch. Es ist still vor dem Palast, ein Machtvakuum verdichtet sich. „Was wollen die“?, fragt der Präsident, denn die schweigende Mehrheit stellt keine Forderungen. Und dann explodiert die Stille, Tränengas wird verschossen, der Staat erklärt binnen Sekunden seinen Bankrott. Was dann kommt, klingt wie eine Erfolgsgeschichte: Eine schweigende Mehrheit fordert friedlich den Lauf der Dinge heraus – und ist damit erfolgreich. Die neue Anführerin der Bewegung verkündet euphorisch ihre Ziele: Sozialer Fortschritt! Demokratischer Fortschritt! Ökologischer Fortschritt!
Parabelhaft spielen die Autoren Andreas Sauter und Bernhard Studlar die verführerische Leichtigkeit eines Machtwechsels durch. Dabei setzen sie sich mit dem Charakter und den Folgen postdemokratischer Politik auseinander, deren Ideenlosigkeit sich mit den austauschbaren Masken griffiger, Progressivität imitierender Slogans zu schmücken weiß.
Gespielt wird das Stück bis Mitte März, Infos/Karten unter www.theaterkosmos.at