Leserbrief: Lernen’s Geschichte

Leserbriefe / 15.04.2026 • 11:00 Uhr
Leserbrief: Lernen’s Geschichte

Zum Kommentar von Harald Walser “Lehre aus dem Irankrieg”: In Zeiten eines noch unterentwickelten medienjournalistischen Ethos hat sich im deutschen Sprachraum nach und nach eine Differenzierung zwischen faktenbasierter Nachricht und meinungsbasiertem Kommentar herausgebildet und damit den Journalismus professionalisiert. Dem Irankriegs-Kommentar von Harald Walser eine faktenbasierte Energiewende-Nachricht auf Basis eines Interviews mit dem Experten Martin Reis vom Energieinstitut links danebenzustellen, war also vom Grundgedanken her vorbildlich positioniert. Reis ist sachlich, aufmunternd und auch das Problem der Strom-Winterunterdeckung nicht verschweigend. Man hätte noch ergänzen können, dass bisher eher die leichter realisierbaren Potenziale umgesetzt wurden und die Hauptarbeit für die restlichen 50 Prozent von (fossilem) Energieverbrauch und (erneuerbarer) -aufbringung für Lkw, Industrieprozesse, Altbau etc. noch ansteht. Dass der Kommentar neben der Nachricht völlig faktenfrei auskommen muss oder soll, war aber sicherlich auch nicht im Sinne der Medienethiker. Walser will uns Städte wie Pontevedra, Gent oder Paris als Beispiele für vorbildliche städtische Verkehrspolitik empfehlen, wo doch Feldkirch, Bludenz oder Dornbirn dasselbe 20–40 Jahre früher erkannt und umgesetzt haben. Lernen’s Geschichte, hätte Kreisky gesagt. Befremdlich auch Walsers Lob für das Klimaticket, von dem der Rechnungshof 2025 festgestellt hat, dass es neben vielen Ausflugsfahrten und vollen Zügen, genau nur 0,2 Prozent Emissionsreduktion gebracht hat.

Dipl.-Ing. Thomas Kopf, Hohenems