Leserbrief: Unpädagogisch und wirtschaftsfeindlich

Leserbriefe / 04.02.2026 • 09:45 Uhr
Leserbrief: Unpädagogisch und wirtschaftsfeindlich

Solange sich die ÖVP und die FPÖ keinen Millimeter mit ihrer reaktionären Bildungspolitik in Richtung Gemeinsame Schule bewegen, so lange werde ich als Sprecher der ARGE Gemeinsame Schule und als ehemaliger Lehrer, der 42 Jahre unterrichtet hat, nicht müde, jedes Jahr auf dieselbe Misere in unserem Schulsystem mit meinen Leserbriefen hinzuweisen. Seit Jahrzehnten erleben wir jährlich mit dem Semesterzeugnis der Viertklässler(innen) der Volksschulen denselben unwürdigen Selektionsstress: Die einen werden in die Gymnasien eingeteilt – die anderen in die Mittelschulen. Unter dem Selektionsstress leiden nicht nur die Kinder, sondern die Eltern und vor allem auch die Volksschullehrer(innen)! Diese müssen mit einem total veralteten, nicht aussagekräftigen Notensystem klassifizieren. Anstatt die Schüler(innen) auf ihrem Bildungsweg, in ihrer Persönlichkeitsentwicklung, Motivation und Leistungswillen zu begleiten und zu ermutigen, müssen sie selektieren. Statt Zeit für Reifung zu geben, werden Horizonte verengt. Statt Vielfalt zuzulassen, werden Unterschiede zementiert – oft entlang sozialer, kultureller oder familiärer Linien. Diese viel zu frühe Trennung ist nicht nur inhuman, sondern auch wirtschaftsfeindlich! Seit Jahren klagen viele Betriebe, dass immer mehr Lehrlinge nicht die erforderlichen Qualifikationen in den Basiskompetenzen mitbringen, die früher selbstverständlich waren. Für mich liegt eine Hauptursache darin, dass eine kontinuierliche Schullaufbahn mit zehn Jahren jäh unterbrochen wird!

Prof. Mag. Peter Fischer, Rankweil