Kälbertransporte
Die öffentliche Empörung über Kälbertransporte aus Vorarlberg ist groß und nachvollziehbar. Auch ich lehne Lebendtransporte von Tieren grundsätzlich ab. In der aktuellen Diskussion fehlen jedoch wesentliche Fakten. Viele Konsumentinnen und Konsumenten legen großen Wert auf regionale Milch- und Käseprodukte, während der Konsum von Kalbfleisch in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen ist und zunehmend Geflügelprodukte bevorzugt werden. Dabei gerät oft in Vergessenheit, dass eine Kuh nur dann Milch gibt, wenn sie zuvor ein Kalb geboren hat. Die Kälber sind somit ein unvermeidbarer Bestandteil der Milchwirtschaft. Ein Kalb mit einem Lebendgewicht von etwa 100 Kilogramm liefert rund 40 Kilogramm Fleisch. Bei rund 10.000 Kälbern ergibt dies etwa 400.000 Kilogramm Kalbfleisch. Würden jede Einwohnerin und jeder Einwohner Vorarlbergs lediglich ein Kilogramm Kalbfleisch pro Jahr konsumieren, ließe sich das Problem der derzeit stattfindenden Lebendtransporte – die letztlich eine Folge mangelnder Nachfrage sind – weitgehend vermeiden. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt zudem die Veränderung unseres Konsumverhaltens: Im Jahr 1972 lieferten 140 Metzgereien insgesamt 10.925 Kalbsfelle an den Vorarlberger Metzgerverband (Quelle: Festschrift 75 Jahre Metzgerverband), und das bei rund 120.000 Einwohnerinnen und Einwohnern weniger als heute.
Ernst Kopf, Altach