Schutz des Gesundheitswesens
Als gebürtiger Vorarlberger bin ich bestürzt über die Pandemiesituation in meiner Heimat und nicht weniger über den Kommentar einer Ärztekollegin, Frau Dr. Motazed, in den VN vom 11. 11. 2021. Ziel der laufenden Impfkampagne, im Übrigen der größten der Menschheitsgeschichte, ist keineswegs der vollständige Schutz vor Ansteckung und Übertragung bei gleichzeitig weitgehender Nebenwirkungsfreiheit, sondern der Schutz unseres Gesundheitswesens und dessen Mitarbeitern vor dem Zusammenbruch. Es ist also eine solidarische Haltung, die die Impfkampagne trägt oder tragen sollte. Zur Pflege von Covid-19-Patienten sind nicht „Betten auf Intensivstationen“ rar, es mangelt bei hohen Ansteckungszahlen an ausgebildetem Personal.
Zur Vorbeugung einer Quarantäne (oder eines weiteren Lockdowns) ist Impfen wichtiger als Testen. Getestete, impfkritische Personen erkranken spontan, nach den Ferien, nach dem Konzert, im Beruf und müssen im schlimmsten Fall über mehrere Wochen im Spital gepflegt werden. Und zwar von den Personen neben den Betten. Negativ Getestete erkranken einfach später. Befürchtete Nebenwirkungen nach einer Impfung sind möglich, aber um das Hundert- bis Tausendfache seltener als bei der Erkrankung selbst. Und vor dieser besteht seit der Mutation des Virus auch kein Entkommen mehr, da nun auch Geimpfte mit in den allermeisten Fällen fehlenden oder nur sehr milden Beschwerden das Virus an Ungeimpfte übertragen können. Diese benötigen dann unter Umständen intensive Pflege und Therapie.
Dr. med. Oliver Hausmann, Luzern