See und Seele

Leserbriefe / 05.11.2021 • 17:37 Uhr

Vorarlberg hat zum heurigen Nationalfeiertag erfreulicher- und erstaunlicherweise zum vierten Mal den Preis als „schönster Platz in Österreich“ gewonnen, und zwar auch zum vierten Mal mit einem See – im Abstand von jeweils zwei Jahren. Zum Formarin-, Körber-, Lüner- und Wiegensee oberhalb von Partenen denkt man sich auch die Berge dazu: die Rote Wand, den Widderstein, die Schesaplana und den Verwall. Aber im Zentrum stehen die Seen und verweisen neben ihrer zauberhaften landschaftlichen Schönheit auf eine tiefere Dimension unserer Verbundenheit mit unserer Heimat, wenn man die etymologische Verwandtschaft von „See“ und „Seele“ bedenkt. Das germanische Wort „See“ ist zwar ungeklärt, aber „Seele“ heißt „Zugehörigkeit zum Wasser“, denn nach der Vorstellung der Germanen wohnten die Ungeborenen und die Toten im Wasser, im „See“ – ein tiefsinniger Gedanke, denn heute weiß man, dass Leben aus dem Wasser kommt. Der „Wiegensee“ drückt dieses Seelenbewusstsein auch in seinem Namen aus und hört wohl so manches Wiegenlied abseits der üblichen Trampelpfade mit viel sinnlosem Lärm.

Mag. Dr. Hildegard Pfanner, Bregenz