Die Selbstgerechten
Sie sind von der eigenen Unfehlbarkeit überzeugt; selten zu Selbstkritik fähig, aber in Hochform, wenn es darum geht, andere anzuklagen. Es sind die selbsternannten Untadeligen, die selbstgefällig auf die Fehler der anderen zeigen, mitunter scheint es gar, sie erfreuen sich daran. Das mediale Trommelfeuer ist längst eröffnet, die Urteile schon gefällt. Die PolitikwissenschaftlerInnen und Medienleute erklären uns die Vorgänge in der Republik, als wären wir als mündige BürgerInnen nicht selbst fähig, unsere eigenen Schlüsse zu ziehen. Auch sie tragen die Selbstgerechtigkeit vor sich her. Manche Abgeordnete und Journalisten führen sich wie Ankläger und Richter in einer Person auf, nicht wenige – so ordne ich das ein – reagieren jetzt lange aufgestaute Aggression und vielleicht sogar Hass oder Missgunst ab. Mein Vertrauen in Österreich gilt dem Rechtsstaat und der weitgehend unabhängigen Justiz. Sie wird die Vorgänge prüfen und recht befinden. Das gilt es abzuwarten.
Gertraud Walch, Rankweil