Kein deutscher

Leserbriefe / 07.10.2021 • 16:58 Uhr

Sonderweg

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Bischof Bätzing wird nicht müde, zu behaupten, mit dem synodalen Weg gehe die Kirche seines Landes „keinen deutschen Sonderweg“. Die Tatsachen scheinen jedoch eine andere Sprache zu sprechen. Mit ihrem „Synodalen Weg“ geht die Kirche Deutschlands einen Weg radikaler Reformen, den keine andere Lokalkirche der Welt und auch Rom nicht mit vollziehen werden. Da wird eine in der Kirche bisher nicht dagewesene Machtstruktur als sinnvoll erachtet, d. h. zum Beispiel Gewaltenteilung auf allen Ebenen, mehr Mitsprache der Basis bei der Berufung von Amtsträgern und Zulassung von Frauen zu allen Weiheämtern. Weiter dürfen Ämter nur auf begrenzte Zeit vergeben werden. Also doch ein einsamer deutscher Sonderweg, der von den andern abgelehnt werden wird und daher nicht zielführend ist? Doch Bischof Bätzing meint etwas anderes. Er meint: Auf der ganzen Welt gibt es Verfechter unserer Beschlüsse. Die Zeitschrift des Kirchenvolksbegehrens Österreichs „Wir sind Kirche“ hat bereits überzeugend aufgezeigt: In vielen Ländern auf allen Kontinenten dieser Erde gibt es bereits Einzelne oder organsierte Gruppen, die auf der Seite des „Synodalen Weges“ stehen, wie ihn die katholische Kirche Deutschlands trotz innerer und äußerer Widerstände theoretisch und praktisch vertritt. Die Deutsche Kirche allein schafft es nicht, doch sie ist nicht allein.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn