Die Lehren von Graz

Leserbriefe / 03.10.2021 • 17:06 Uhr

Während noch viele Politiker und Journalisten entgeistert nach Graz blicken – wo die Vertreterin einer längst vergessenen Partei einen grandiosen Sieg errungen und die etablierten Parteien auf die Plätze verwiesen hat, hat die Wahlsiegerin in der zweitgrößten Stadt Österreichs schon längst wieder ihre Arbeit im Dienste der Bürger aufgenommen. Was läuft in Graz anders als anderswo? Dort ist die Bewerberin um ein politisches Amt nicht Herrin über ihre Untertanen, sondern deren Dienerin. Sie nimmt sich der Sorgen ihrer Bürgerinnen und Bürger persönlich an – und versucht diese Sorgen so gut es geht zu lösen! Während anderswo die Bewerber der etablierten Parteien sich in Vorwahlzeiten als die Vertreter des Volkes darstellen und ausgeben – und sich nach der Wahl nicht mehr blicken lassen! Ja mehr noch – die ihnen vorgetragenen Bürgersorgen werden in diverse Abteilungen einer seelenlosen und oft völlig desinteressierten Bürokratie weitergereicht! So muss man sich nicht wundern, wenn weitgehend Wählerinnen und Wähler nicht mehr auf das schauen, was ihnen versprochen wird – sondern auf das, was gehalten wird! Von einem ehemaligen europäischen Staatsmann stammen die Worte: Man kann alle Leute einige Zeit, einige Leute allezeit, aber nie alle Leute allezeit zum Narren halten.

Hugo Waldner, Egg-Grossdorf