Das Ende der NS-Geschichte?

Leserbriefe / 30.09.2021 • 17:56 Uhr

Zu den Beiträgen von Hr. Fink und Hr. Meinrad Pichler zu „Der Engel in der Hölle von Auschwitz“:

Die einstmals junge und aufmüpfige Generation der Geschichte-Professoren Pichler, Walser, Bundschuh & Co. kann nach beinahe fünf Jahrzehnten auf ein dichtes Gesamtwerk an kritischer Zeitgeschichte zurückblicken. Die jüngste Biografie über Maria Stromberger („Ein Engel in der Hölle von Auschwitz“) von Harald Walser reiht sich mühelos ein. Die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer bei der Buchpräsentation war unschwer erkennbar 60+. Ein Publikum, das entweder den Nationalsozialismus selbst erlebt hatte, der Nachkriegsgeneration angehört oder den frischen Wind der Aufmüpfigen ins Alter mitgenommen hat. Bei anderen Veranstaltungen ein ähnliches Bild. Wer wird diesem in die Jahre gekommenen Publikum nachfolgen? An der unüberschaubaren Fülle von Publikationen, Verfilmungen, Ausstellungen und Veranstaltungen wird es nicht liegen. Das bleibende oder abnehmende Interesse wird sich insbesondere am öffentlichen Bildungsauftrag entscheiden. Gelingt es den Pädagogen das Unrecht und die Lehren aus der NS-Zeit auf heutige gesellschaftliche und politische Entwicklungen hin zu beleuchten und den Schülern einen kritischen Blick zu vermitteln? Der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama hat vor einiger Zeit das „Ende der Geschichte“ – allerdings in einem größeren Kontext – ausgerufen. Ein schleichendes Ende zeichnet sich derzeit für die weitere Auseinandersetzung mit der NS-Zeit erfreulicherweise nicht ab. Gerade die Mitte des 20. Jahrhunderts lehrt immer noch, was viele nachfolgende Generationen nicht für möglich gehalten hätten.

Dr. Günter Felder, Dornbirn