Grob fahrlässige Bildungspolitik

Leserbriefe / 06.09.2021 • 18:33 Uhr

Zum Kommentar „Wir verlieren zu viele Kinder“ von Gerold Riemann, VN vom 4. September:

Chefredakteur Riedmann zitiert in seinem Kommentar aus der Rede von Arno Geiger anlässlich der Russ-Preis-Verleihung, dass unser Schulsystem notwendig reformiert werden müsse, „um keine Kinder zu verlieren – und meint damit das ungesunde Wechselverhältnis zwischen privaten und öffentlichen Schulen. Eine Brandrede gegen die Abschottung der Reichen und der Armen voneinander.“ Riedmann bringt für die Politik schmerzhaft in Erinnerung, dass aus der groß angekündigten Vorarlberger Modellregion zur gemeinsamen Schule nichts geworden sei. Wir von der ARGE Gemeinsame Schule, die aus über 20 Initiativen und Interessensgruppen besteht, kämpfen seit 2007 für eine Gemeinsame Schule. Wir fordern genau das ein, wofür nicht nur Arno Geiger, der neue Russ-Preis-Träger Hubert Löffler und unzählige Bildungs- und Sozialwissenschaftler und Pädagogen stehen, nämlich für ein öffentliches Schulsystem, das nicht segregiert, sondern allen Kindern und Jugendlichen zumindest halbwegs gerechte Bildungschancen ermöglicht. Das will übrigens auch ein Großteil der Bevölkerung. Im Mai 2021 wollten wir in einer Presseaussendung wieder einmal auf diese schreiende Ungerechtigkeit im Bildungssystem hinweisen und die Vorarlberger Landesregierung an ihr Regierungsprogramm erinnern. Dort steht explizit, dass sie sich für „ein qualitativ hochwertiges und gerechtes Bildungssystem, das jedem Kind in Vorarlberg gleiche Chancen eröffnet“ einsetzt und die Modellregion einer gemeinsamen Schule umsetzen wird. Weder wurde die Presseaussendung veröffentlicht noch gibt es Anzeichen einer ernsthaften Umsetzung der Modellregion!

Prof. Mag. Peter Fischer, Sprecher der ARGE Gemeinsame Schule, Rankweil