Warten auf Talibanregierung

Leserbriefe / 03.09.2021 • 16:57 Uhr

Zum VN-Bericht vom 01.09.2021:

Die Russen haben nach zehn Jahren begriffen, dass man eine Jahrhunderte alte, konservative Kultur mit Waffengewalt nicht ändern kann und die Afghanen eine eigene, schlechte Regierung einer Besatzungsmacht vorziehen. Die US-Amerikaner, die nur Vergeltung für 9/11 wollten, haben das erst nach 20 Jahren begriffen. Dass die europäischen Verbündeten, mit dem schwachsinnigen Slogan „die Sicherheit der EU muss am Hindukusch verteidigt werden“ in diesen Krieg gezogen sind, ist ihrer US-Hörigkeit geschuldet. Eine Systemänderung in einem Land kann nur vom eigenen Volk erfolgreich sein. Das hat Polen mit der „Solidarnosc“ und die DDR, mit „wir sind das Volk“ gezeigt. Wie üblich fühlen sich jetzt die Politiker, die Hunderte junge Menschen für einen nicht zu gewinnenden Krieg geopfert haben, für das angerichtete Desaster nicht verantwortlich. Bereits im ungerechtfertigten Krieg der US-Amerikaner im Irak, der ISIS zur Folge hatte, oder das Anzetteln des arabischen Frühlings, der den arabischen Raum destabilisiert und mit den Bürgerkriegen in Libyen und Syrien seinen Höhepunkt erreicht hat, wurden die Verbündeten in diesen Ländern ihrem Schicksal überlassen. Dass unser Bundeskanzler keine Afghanistanflüchtlinge aufnehmen will, hat seine Berechtigung. Die kriegsbeteiligten Länder haben aber die moralische Verpflichtung ihre afghanischen Mitarbeiter aufzunehmen und die Flüchtlinge sollten nach dem Verursacherprinzip den Kriegsbeteiligten zugeteilt werden.

Alfred Fuchs,

Dornbirn