Ibiza – die Zweite
Zum Kommentar von Walter Fink „Was ist los in Österreich?“, VN vom
5. 6. 2021:
Am vorletzten Freitag verfasste ich einen Leserbrief über das Sittenbild in der österreichischen Politik.Als ich dann in der darauffolgenden VN-Samstagausgabe die Glosse von Walter Fink las, musste ich meinen Leserbrief abändern. Walter Fink hatte die ganzen Verfehlungen unserer Spitzenpolitiker und höchsten Beamten bereits wunderbar aufgelistet. In Summe ergeben sie alle ein zweites Ibiza. Waren Strache und Gudenus in Ibiza noch in einem fragwürdigen Zustand, kann man davon ausgehen, dass die aktuellen Chat-Politiker doch nüchtern waren.
So gesehen erscheint das ‚Strache-Ibiza’ als ein aus dem Ruder gelaufenes Kaffekränzchen. Allerdings mit viel Sprengkraft. Die kürzlich erschienenen Chatprotokolle lassen tief blicken und haben ungleich weniger Sprengkraft. Ein schreckliches Charakterbild unserer Staatslenker.
Mögen viele Chats strafrechtlich nicht relevant sein, sind sie doch ethisch und moralisch verwerflich und ja, einfach schrecklich. Von rassistischen und sexistischen Äußerungen mal abgesehen, wollte der höchste Justizbeamte Pilnacek für seine Frau einen Job in der höheren Justiz in Graz. Er intervenierte beim steirischen Landeshauptmann Schützenhöfer. Pilnacek liegt in einer Gehaltsklasse jenseits der 10.000 Euro. Sie wäre dann in einer ähnlichen gewesen. Postenschacher in Reinkultur. Dies nur als kleines Beispiel. Auch so kann man Österreich verkaufen. „Ibiza Zwei“ lässt grüßen. Ohne Drehbuch. Ohne Inszenierung. Und dazu noch nüchtern!
Tone Schneider, Klebern, Egg