Kardinal Marx und Papst Franziskus

Leserbriefe / 13.06.2021 • 18:45 Uhr
Papst Franziskus hat den Rücktritt des Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, abgelehnt.apa
Papst Franziskus hat den Rücktritt des Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, abgelehnt.apa

Die beiden lieben sich gegenseitig und verstehen einander gut. Doch jetzt hat Kardinal Marx von München dem Papst seinen Rücktritt angeboten und ihn gebeten, diesen anzunehmen. Das tat der Papst jedoch nicht. Marx schrieb Franziskus einen Brief, der beinahe weltweit Aufsehen erweckte. Er wolle nicht aus Alters- oder Gesundheitsgründen zurücktreten, sondern weil er seine Verstrickung in den Skandal des Missbrauchs sehe und in Verantwortung dazu stehen wolle. Entgegen der Wirklichkeit gestehe die Kirche die strukturelle und systemische Mitschuld an diesem Skandal nicht ein und ändere sich daher nicht. Der Antwortbrief des Papstes ist sehr offen und persönlich. Er bemüht sich sehr, seinen deutschen Mitbruder und dessen tiefe Motivation zu verstehen. Und doch sagt er ihm: Mache weiter als Erzbischof, selbst wenn du nicht verstehst, warum ich das von dir verlange.

Es ist wahrlich schwer zu entscheiden, worin der Unterschied in der Argumentation der beiden besteht. Vielleicht liegt er darin, dass der Papst den Kardinal daran erinnert, dass wir aus der Krise der Kirche nicht herauskommen, wenn wir das nicht in Gemeinschaft tun. Bei der Sünde mischten sich Gemeinschaftliches und Persönliches ineinander. Ähnlich muss es auch bei der Überwindung der Krise sein.

Pfr. Helmut Rohner,
Dornbirn