Kein Kavaliersdelikt
Zum Leserbrief „Gewessler‘s „Raser-paket“ als lupenreiner Autofahrernepp“ von Dr. Ludwig Weh, VN, 7. 4.:
Gewessler‘s Autofahrernepp oder Weh’s Raserplädoyer für fossiles Denken, so könnte man formulieren, wenn man die populistische Argumentation fortsetzen möchte, aber dafür ist die Sache viel zu ernst: Tempoüberschreitung ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern, vor allem Radfahrern und Fußgängern, dazu verbunden mit erhöhter Lärm- und Abgasbelastung. Zu hohes Tempo ist eine der Hauptunfallursachen und wesentlicher Parameter der Unfallschwere. Die Reform von Frau Ministerin Gewessler ist ohnehin nur ein Reförmchen, siehe Bestimmungen in der benachbarten Schweiz. Notwendig ist eine allgemeine Beruhigung des Verkehrs, Beendigung des Primates des Kfz gegenüber Rad und Fußgänger, und dazu braucht es solange wir nicht autonom fahren auch Tempolimits und deren Kontrolle. Der Polizei „Abzocke“ vorzuwerfen, ist gänzlich daneben, die Toleranzen sind ohnehin viel zu groß, Nulltoleranz eigentlich im Landesverkehrskonzept. Das Einhalten der gegebenen Limits gehört in Wirklichkeit zum rücksichtsvollen Umgang miteinander, dafür sollte geworben werden in unserem sehr dichten Lebensraum Vorarlberg.
Dr. Hanspeter Simma, FA für Innere Medizin, Dornbirn