Der zweite Tempel

Leserbriefe / 31.03.2021 • 17:03 Uhr

In der NEUEN vom Palmsonntag stand in einem Artikel über Jerusalem, dass der zweite Tempel von König Herodes erbaut wurde. In Wirklichkeit wurde der zweite Tempel von den Israeliten etwa 500 vor Christus wiedererrichtet, nachdem der Perserkönig Kyros den Juden nach der babylonischen Gefangenschaft die Rückkehr nach Jerusalem erlaubt hatte.

Verantwortlich für den Wiederaufbau war der jüdisch-stämmige persische Statthalter Serubabel, nachzulesen im Buch Esra (Altes Testament). Der König Herodes ließ den Tempel allerdings umbauen und vergrößern. Der zweite Tempel gibt einer ganzen jüdischen Geschichtsepoche ihren Namen. Deren Kultur ist geprägt von der Lehre des Alten Testaments, die auch die 10 Gebote enthält. Jesus lebte in dieser Zeit. Er setzte in seinen Lehren bei seinen jüdischen Landsleuten die Kenntnis des Alten Testaments voraus und ergänzte sie durch sein persönliches Statement, wie beispielsweise in der Bergpredigt oder in seiner Stellungnahme zum Ehebruch.

Diese Lehre wurde aber durch den Apostel Paulus nochmals bekräftigt. Daher tut sich die katholische Kirche schwer, diese Aussagen im Sinne der liberalen innerkirchlichen Strömungen umzuinterpretieren. Sie läuft dann auch Gefahr, Mitglieder in anderen Teilen der Welt, die nicht so liberal eingestellt sind, an evangelikale Freikirchen zu verlieren. Wahrlich keine leichte Situation für die Kirchenleitung in Rom.

Dr. Wolfgang Hämmerle, Lustenau