Offener Brief
Mit großer Empörung haben wir den Kommentar des Biologen Mag. Dr. Rudolf Öller, in der Samstagsausgabe der Vorarlberger Nachrichten vom 13.3.2021 gelesen.
In seinen Zeilen bezeichnet er Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht mit dem nach der Geburt anhand äußerer Merkmale eingetragenen Geschlecht übereinstimmt, als „Biologie-Leugner“. Dies ist ein direkter Angriff auf uns alle, die eine liberale, weltoffene und diverse Gesellschaft anstreben und tagtäglich dafür einstehen und kämpfen.
Nur wenige Tage vor diesen Zeilen erklärte das Europäische Parlament die EU per Resolutionsantrag als „LGBTIQ*-Freedome Zone“. Die Schaffung von sogenannten „LGBTIQ*-befreiten Zonen“ wie jüngst in Polen und jede Form der Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität stimmt nicht mit den europäischen Werten überein. Der Resolutionsantrag ist somit auch ein deutliches Zeichen an Politiker*innen, Regierungen und Entscheidungsträger*innen in Europa, dass Diffamierung und Diskriminierung von LGBTIQ*-Personen in keiner Weise mit den Grundsätzen einer offenen und freien Gesellschaft vereinbar ist.
Der Lebensweg von Trans*Personen ist auch im Jahr 2021 noch mit großer gesellschaftlicher Stigmatisierung, Benachteiligung und Leid verbunden. Die absurden Äußerungen von Herrn Öller verhöhnen und entwürdigen Menschen, die ein Teil unserer Gesellschaft sind. Die LGBTIQ*Community musste sich ihre Rechte stets hart erkämpfen und ist trotz vieler Fortschritte nach wie vor weltweit massivem Hass ausgesetzt, ihre Mitglieder werden oft Opfer brutaler Gewaltverbrechen. Diese Diskreditierung ist somit nicht nur falsch, sondern auch brandgefährlich.
Daher sind wir sehr erschüttert darüber, eine solch menschenverachtende Ideologie in den Vorarlberger Nachrichten abgedruckt zu sehen. Auch der vermeintliche Verweis auf die „freie Meinungsäußerung des Autors, die nicht zwangsläufig mit der Haltung der Redaktion übereinstimmen muss“, ist hier viel zu kurz gegriffen und wird von uns keineswegs als Erklärung für dieses Schriftstück akzeptiert werden, denn für uns ist klar: Menschenhass ist niemals eine Meinung, sondern am Ende immer nur Hass.
Wir, die Unterzeichner*innen dieses Briefes, gehen davon aus, dass Sie diese menschenverachtenden, transphoben, sowie rechten und völkisch geprägten Zeilen von Dr. Öller in den Vorarlberger Nachrichten nicht mittragen.
Wir erwarten, dass Sie zur Wahrung der Menschenrechte, des Anstandes und letzten Endes auch der Integrität und des Ansehens Ihrer Zeitung entsprechend Position beziehen.
Gezeichnet
Michael Ritsch, Bürgermeister von Bregenz; Sandra Schoch, Vizebürgermeisterin von Bregenz; Patricia Tschallener, Vizebürgermeisterin von Hohenems; Johannes Gasser, Abgeordneter zum Vorarlberger Landtag; Michael Andreas Egger, Vorsitzender des Vereines Go*West; Anna Klinger, Referentin der SoHo Vorarlberg; Angela Knill, Aids Hilfe Vorarlberg; Andreas Bacher, {hobit; Angelika Atzinger, Verein Amazone; Sven Alexander Hofer, Verein Vielfalt CSD; Dominik Greißing, Neos-Gemeindevertreter; Johannes Christoph Heil, Lebens- und Sozialberater; Jana König, Aktion kritischer Schüler_innen; Valentin Fetz, Landesgeschäftsführer Junge Generation; Alexander Pehr, Privatperson; Jürgen Schacherl, Privatperson; Daniel Dolezal-Steiner, Privatperson