Jagdschema

Leserbriefe / 05.02.2021 • 19:44 Uhr

Es kann sein, dass uns diese Pandemie etwas empfindlicher macht. Empfindlicher gegenüber diversen Kommentaren und diversen mediale Jagden: wie hat man doch die rücksichtslosen Impfvordrängler an den Pranger gestellt! Wer hat nicht aller seine faulen Eier auf sie geworfen! Ein Artikel im Sonntagskurier vom 24.01. ist dabei medial völlig unbemerkt geblieben: In einem Alterspflegeheim in NÖ haben fünf bis sechs Impfdosen entsorgt werden müssen. Weil die Verwendung derselben am anwesenden Arzt der Behörde und der impfenden Ärztin im Heim (beide nicht vorgemerkt) vom Leiter unterbunden wurde „Vurschrift is Vurschrift“. Unbemerkt, weil nicht ins gegenwärtige Jagdschema passend. Per Kolumne beklagt sich eine Politwissenschaftlerin über das „doppelte Spiel“ der Regierung, die zwar Appelle an die Vernunft aussenden, gleichzeitig aber Verschärfung der Kontrollen ankündige. Selber aber zum Schluss kommt, dass nur mehr Konsequenz die Moral heben würde. Ja was denn jetzt? Und dann passt noch der Bericht über ein Interview mit Herrn Kogler ins derzeitige Jagdschema, wonach es der ÖVP an Gefühl, Herz und Hirn mangle. Ist ja schon gut, auch Herr Kogler muss sein Klientel bedienen. Aber sein Hirn wird ihm sagen, dass der Rechtsstaat in (tausendfach) begründeten Fällen ausschließlich mit Kopf entscheidet und ihm – manchmal wohl oder übel zu folgen ist.

Norbert Gugganig, Dornbirn