Sonderschulen im Lockdown?

Leserbriefe / 10.01.2021 • 17:12 Uhr

Während sich (fast) alle Schulen im Lockdown befinden und Schülerinnen und Schüler via Distance-Learning unterrichtet werden, findet an den Sonderschulen täglicher Präsenzunterricht statt. So wurde das vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung entschieden. Grundsätzlich halte ich das für richtig, ich sehe die Notwendigkeit von Kontinuität und Struktur in der Arbeit mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen. Die Belastung in den Familien ist groß bis unzumutbar. Was mich allerdings verwirrt, ist die Tatsache, dass in allen politischen Diskussionen zum Thema Schule und Corona der Schultyp „Sonderschule“ nur vereinzelt bis gar nicht erwähnt wird, als gäbe es ihn nicht. Warum ist die Sonderschule in der medialen Präsenz außen vor? Hat das mit „Daseinsberechtigung“ zu tun? Diese Frage öffnet die Tür zu einer Grundsatzdiskussion, die an dieser Stelle zu weit führen würde. Um dem Personal (LehrerInnen, TherapeutInnen…) an Sonderschulen Wertschätzung und Respekt zu zollen und Kinder und Personal vor einer Coronainfektion zu schützen, muss schnell gehandelt werden. Nachdem es in der Arbeit mit unseren Kindern kaum bis gar nicht möglich ist, Abstand zu halten, und Hygienemaßnahmen noch schwerer zu erfüllen sind als gewöhnlich, müssen wir schnellstmöglich mit den vom Unterrichtsminister angekündigten neuesten Schnelltests für Schüler/Schülerinnen und Personal versorgt werden. Genauso ist die Möglichkeit der freiwilligen Impfung für das Personal an Sonderschulen voranzutreiben. Wir können nicht warten, bis der Lockdown für die anderen Schultypen zu Ende ist.

Wir sind jeden Tag vor Ort im Präsenzunterricht und haben viele Kontakte.

Susanne Nardin-Gehrer,
ASO Lustenau, Höchst