Der große Inszenator

Leserbriefe / 23.12.2020 • 16:58 Uhr

Nichts geht ohne Inszenierung. Da treten sie auf. Zu viert. Hochgerüstet, umrahmt mit österreichischen und europäischen Flaggen nach US-amerikanischer Art. Ihr Aufmarsch wird medial zelebriert. Was an Aussagen herauskommt, entspricht einem Orakel: Man hängt an ihren Lippen. Sprüche werden abgegeben. Nein, in den Bescheiden steht etwas anderes. Und klare Verweise auf wissenschaftliche Positionen und Diskurse fehlen ebenso. Es ist emotional aufgeladener, gezielt geplanter Polit-Sprech. Jenseits von Aufklärung: vor- und pseudoreligiös. So läuft politische Inszenierung. Nun wird auf Lesbos weiterinszeniert. Eine Kinderdorfschule soll eingerichtet werden. Der „Kanzler“ soll nicht so eiskalt dastehen. Die armen Kinder! Vielleicht hat er noch mehr vor? Wie wäre es mit einem Frauenhaus – besser ein Frauenzelt, wo vergewaltigte Frauen und Mädchen Zuflucht und Beratung finden können? Oder vielleicht eine nächtliche Polizeitruppe zur Gesinnungskontrolle? Vielleicht auch ein kulturbeflissener Stadtbeobachter, nein Lagerschreiber, der – schriftstellerisch wertvoll – die „Rozznjagd“ beobachten und beschreiben könnte? Da wäre noch ein Unterrichtsminister mit hervorragenden Ideen für „Wertekurse“: Die Abschreckungslager müssen in jedem Fall bleiben. Sind es 200 PR-Leute in den Ministerien oder 300 Millionen Euro für die Regierungspropaganda – oder umgekehrt? Österreich liebt seinen Till Eulenspiegel im höchsten Regierungsamt. Die Inszenierung muss weitergehen. Vielleicht wäre aus ihm einmal ein guter Regierungssprecher geworden? Aber Kanzler?

Andreas Postner, Rankweil