Agrarpolitik als

Leserbriefe / 13.12.2020 • 17:26 Uhr

Problemlöser

Daniel Berger bemüht in seinem Leserbrief „Konsum einschränken“ (VN, 3.12.20) auch die Statistik und sieht schlussendlich die Lösung des allseits bekannten Gülleproblems in einer Konsumbeschränkung von „tierlichen Produkten“. Ausgehend vom Verhältnis Viehbestand zur landwirtschaftlichen Fläche offenbart die historische Betrachtungsweise die Krux der Bauern. In Vorarlberg hat sich der Rinderbestand seit hundert Jahren kaum verändert, wohl aber verringerten sich dramatisch der Grünlandanteil und die ausgewiesene landwirtschaftliche Fläche, die sich zudem überwiegend in nichtbäuerlichem Besitz befindet. Die Landwirtschaft ist in Schieflage geraten, Milchbauern kämpfen bei einem Milchpreis von 38 Cent/Liter ums Überleben, beschreiten aber unterschiedliche Bewirtschaftungswege. Wiesen können heute bei entsprechender Düngung und wachstumsfördernder Mähtechnik siebenmal gemäht werden. In der Landwirtschaft wird in den letzten Jahren aus arbeitstechnischen und Kostengründen vielfach auf Güllewirtschaft umgestellt. Die Festmistausbringung wäre für den Humusaufbau nachhaltiger, umweltschonender und zudem auch die Biodiversität fördernd. Mit der Abwesenheit von Bienen und Schmetterlingen auf diesen Wiesen leben wir. Müssen wir uns nun naserümpfend mit der Vision einer „grünen Wüste“ anfreunden? Ist jetzt nicht die Agrarpolitik gefordert, in das auch zum Himmel stinkende Gülleproblem regulierend und kontrollierend einzugreifen und für eine nachhaltigere Bewirtschaftung zu sorgen, letztendlich auch zum Wohle der in dieser Zwangslage steckenden Bauern?

Franz J. Fröwis, Bludenz