Weißglut
Vor den schwierigsten Prüfungen an der Uni hatte ich kaum einmal ein Problem mit Übungsbeispielen. Auch in fremden Ländern konnte ich mich schlimmstenfalls mit dem Wörterbuch immer irgendwie durchschlagen. Selbst römische und griechische Inschriften auf Ruinen, die schwer lesbaren Minuskel in alten Büchern, ja sogar die Hieroglyphen schreckten mich nicht ab, wenn ich einmal ein Rätsel lösen wollte. Aber die Gebrauchsanweisungen von technischen Geräten lassen in mir die Grausbirne aufsteigen. Am allerschlimmsten ist der Einstieg in eine neue oder auch nur upgegradete Software. Immer wieder neue Symbole, bei denen ich beim besten Willen nicht draufkomme, wie man auf solche Absurditäten überhaupt kommen kann. Normen gibt es dank EU immer noch keine. Das Handling wird immer komplizierter und man kann auch die hunderttausend unsinnigen Funktionen und Junk-Infos auf Webseiten vor allem ab einem gewissen Alter wirklich nicht mehr ertragen. Ich neige schon dazu, eine teuflische Absicht hinter diesem Affenzirkus zu orten. Sollen in Weißglut geratene ältere User so schnell wie möglich an einem Herzinfarkt sterben, damit keine Pensionen mehr an sie ausbezahlt werden müssen! Politik und Wirtschaft wollen gegen dieses Chaos aus schlechter Leserlichkeit, Fehlinformation, Codewörtern, Aggressiv-Werbung und Verwirrungstaktik anscheinend bewusst nichts tun. Verschwörungstheorie!? Ich denke, nein!
Thomas Amann,
Bregenz