Staatspreis Design: Sonderpreis für Bregenzerwälder „Gute Stube“

Das Low-Budget-Projekt überzeugte die Jury mit sozialer und gestalterischer Kraft.
Andelsbuch Beim Staatspreis Design 2026 des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus ist am Donnerstagabend im Wiener MuseumsQuartier nicht nur herausragende Produktgestaltung ausgezeichnet worden, sondern auch ein Projekt, das zeigt, wie stark Gestaltung in gesellschaftliche Räume hineinwirken kann. Den Sonderpreis „Spaces & Environment“ erhielt „Zukunft ist Gut: Eine Schule wird zur Guten Stube“, ein generationenübergreifender Raum im Bregenzerwald, der mit einfachen Mitteln und großer Wirkung realisiert wurde. Der alle zwei Jahre ausgeschriebene Wettbewerb, der seit 2001 von designaustria durchgeführt wird, gilt als bedeutende Auszeichnung für Gestaltung in Österreich. In seiner 51. Ausgabe wurden insgesamt 176 Einreichungen von 130 Gestalterinnen und Gestaltern von einer internationalen Jury bewertet.

31 Projekte wurden in den Hauptkategorien „Konsumgüter“, „Investitionsgüter“ und „Produktgestaltung Interior“ sowie in den Sonderkategorien „Spaces & Environment“ und „Design Concepts“ ausgezeichnet. In den Hauptkategorien gingen die Staatspreise an EOOS für „SafeTap“, einen Wasserhahn für Regionen mit prekärer Wasserversorgung, an Johannes Geisler für „LifeTaq – Tissura“, eine Technologie zur Herstellung menschlicher Gewebemodelle, sowie an Johannes Scherr für Grüne Erde für das Solitärmöbel „Regal Tonda“.

Besondere Aufmerksamkeit galt jedoch der Auszeichnung für die „Gute Stube“. Das Projekt, gestaltet von Simone Angerer, Nina Beck und Anna Hopfner, entstand im Auftrag der OJB, der Offenen Jugendarbeit Bregenzerwald. Beteiligt waren zudem Sarah Greber, Agnes Hollenstein, Katharina Kleiter und Stefanie Weis. Umgesetzt wurde das Vorhaben gemeinsam mit Handerkerinnen und Handwerkern sowie dem Team der OJB. Die „Gute Stube“ in Bersbuch ist das Zuhause der OJB. Dort entstand ein offener Experimentier- und Begegnungsraum, der als sogenannter dritter Ort die soziale Infrastruktur der Region erweitert. Die „Gute Stube“ versteht sich als Raum für alle: offen, inklusiv, generationsübergreifend und auf Augenhöhe. Sie soll Menschen zusammenbringen, soziales Engagement fördern und Impulse für die Region geben, nicht nur für den Moment, sondern mit Blick auf die Zukunft.

Die Jury hob genau diese Qualität in ihrer Begründung hervor: „Mit diesem Projekt wird eine Low-Budget-Konversion gewürdigt, der mit minimalen Mitteln eine vollständige atmosphärische Metamorphose gelingt. Statt klischeehafter Jugendästhetik setzt die Gestaltung auf eine unaufgeregte Qualität, die Räume öffnet. Herausragend ist der kollaborative Prozess, durch den ein Ort hoher Resonanz entstand, der soziale Teilhabe beispielhaft vorlebt.“ Damit würdigt der Staatspreis Design 2026 nicht nur gestalterische Qualität im klassischen Sinn, sondern auch ein Projekt, das Gestaltung als sozialen Auftrag versteht. Gerade die „Gute Stube“ macht sichtbar, dass gute Gestaltung weit über Formfragen hinausreichen kann.