Wenn Literatur auf Farbe trifft

Kultur / 09.04.2026 • 10:36 Uhr
Wenn Literatur auf Farbe trifft
Das Literaturhaus Vorarlberg in Hohenems bietet im April 2026 zwei besondere kulturelle Ereignisse.Frauke Kühne

Zwei Highlights im Literaturhaus: Sternstunde des Buches und Lea Kubenecks Ausstellung colorit.

Hohenems Das Literaturhaus Vorarlberg in Hohenems bietet im April 2026 gleich zwei besondere kulturelle Ereignisse: einen festlichen Auftakt zur österreichweiten Leseinitiative Sternlesen und eine außergewöhnliche Ausstellung, die Literatur in visuelle Kunst verwandelt.

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Die Texte von Jürgen-Thomas Ernst verbinden erzählerische Klarheit mit einem ausgeprägten Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge.Victor Roman Marin

Bereits zum fünften Mal wird in ganz Österreich rund um den Welttag des Buches eine Woche lang gelesen, gefeiert und weitergegeben. Den Startschuss gibt traditionell eine Auftaktlesung in jedem Bundesland. In Vorarlberg findet sie am Dienstag, 14. April um 19 Uhr im Literaturhaus statt. Als Lesebotschafterinnen und Lesebotschafter des Landes präsentieren sich an diesem Abend drei Autorinnen und Autoren aus der Region. Jürgen-Thomas Ernst, 1966 in Lustenau geboren, hat sich als Schriftsteller und Waldpädagoge einen Namen gemacht, dessen Arbeiten immer wieder die Beziehung zwischen Mensch und Natur in den Mittelpunkt rücken. Seine Texte verbinden erzählerische Klarheit mit einem ausgeprägten Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge. An seiner Seite steht Marlen Schachinger-Pusiol, die als literarische Vermittlerin und Autorin Räume schafft, in denen Literatur nicht nur gelesen, sondern erlebt wird. Ihre Projekte sind häufig dialogisch angelegt, geprägt von Austausch und künstlerischer Intervention. Tina Strohmaier wiederum verkörpert eine junge, engagierte Stimme, die Literatur aktiv in die Öffentlichkeit trägt und neue Leserschichten erschließt.

Lesen heißt Welt atmen

Das Trio liest an diesem Abend aus eigenen Werken, verleiht aber auch Texten anderer Autorinnen und Autoren ihre Stimme darunter Irene Diwiak, Anna Herzig, Monika Krautgartner, Anna Ladurner und Elisabeth Lexer sowie Kolleginnen und Kollegen des Writer’s Space Klagenfurt. Im Mittelpunkt steht dabei die entspannende, horizonterweiternde Kraft des Lesens. Marlen Schachinger-Pusiol bringt es auf den Punkt: „Lesen heißt Welt atmen.”
Bibliophile Gäste dürfen sich zudem über ein Buchgeschenk freuen mit der ausdrücklichen Einladung, es nach der Lektüre weiterzugeben. Denn genau das ist das Herz von Sternlesen: Bücher verbinden Menschen, wo immer sie auch sind.

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Die Künstlerin Lea Kubeneck präsentiert mit “colorit” eine ästhetisch faszinierende Werkserie.Privat

Eine Woche später, am Mittwoch, 22. April um 19 Uhr, öffnet im Literaturhaus Vorarlberg eine Ausstellung, die den Blick auf Literatur grundlegend verändern möchte. Die Künstlerin Lea Kubeneck präsentiert mit “colorit” eine streng konzeptuelle wie ästhetisch faszinierende Werkserie. Ihr Ausgangsmaterial sind Romane und die darin vorkommenden Farben. Jede Farbnennung wird chronologisch erfasst und in ein quadratisches Rasterbild übertragen. So entsteht kein Abbild des Inhalts, sondern ein abstrakter Farbcode: eine Art visueller Fingerabdruck des jeweiligen Textes. Farbverläufe, Brüche, Kapitelstrukturen und Stimmungen werden sichtbar, ohne dass ein einziges Wort zu lesen ist. Stilistisch erinnern die Arbeiten an Gerhard Richters „Strips” oder Bridget Rileys „Stripes”, konzeptionell aber orientiert sich Kubeneck ausschließlich am geschriebenen Wort. Die Werke stehen damit in einem reizvollen Spannungsverhältnis zur Literatur, aus der sie entstanden sind – Farbe gegen Schwarz-Weiß, Abstraktion gegen Narration.

Literatur und bildender Kunst

Zur Vernissage ist der Autor Heinz Helle zu Gast, dessen Bücher “Die Überwindung der Schwerkraft” und “Wellen” bereits als colorits umgesetzt wurden. Im Gespräch mit Kubeneck werden Schnittstellen zwischen Literatur und bildender Kunst ausgelotet und die Frage, was es bedeutet, Texte mit anderen Augen zu lesen. Die Ausstellung ist bis Freitag, 26. Juni 2026, zu den üblichen Öffnungszeiten bei freiem Eintritt zu sehen.